Vor 125 Jahren ging die gesetzliche Rentenversicherung an den Start - Heute Lohnersatz für ...
Ein paar Pfennige fürs Alter einzahlen

Damals ernst gemeint, im Rückblick eine Lachnummer: Der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm plakatiert am 1986 auf dem Bonner Marktplatz den Slogan "... denn eins ist sicher: Die Rente". Es folgte Reform auf Reform. Die Aussage haftet Blüm bis heute an. Archivbild: dpa
Die Rente für einen etwas besser verdienenden Arbeiter betrug 161 Mark im Jahr. Als Beitrag waren zwischen 14 und 30 Pfennig pro Woche fällig. Bei ihrer Gründung vor 125 Jahren nahm sich die gesetzliche Rentenversicherung noch bescheiden aus. Heute fließen jährlich 260 Milliarden Euro in die Rentenkasse. Trotzdem sind die Zukunftssorgen groß. Das dürfte nicht ausgeblendet bleiben, wenn die Rentenversicherung heute ihr Jubiläum feiert.

Der "Eiserne Kanzler" Otto von Bismarck fasste bereits Anfang der 1880er Jahre den Plan einer gesetzlichen Sozialversicherung. Infolge der Industrialisierung waren breite Arbeitermassen im Elend. Es gab zwar Vorläufer - bei den Bergarbeitern mit ihren Knappschaftskassen sogar seit dem Mittelalter. Doch die meisten Arbeiter waren bei Krankheit oder im Alter auf Almosen der Gemeinden angewiesen. Bismarck wollte eine weitere politische Radikalisierung der Arbeiter stoppen.

1889 Grundstein gelegt

Aus "Furcht der herrschenden Klassen" vor dem Aufstieg der Sozialdemokratie, wie ein Mitarbeiter Bismarcks später notierte, empfahl der gewiefte Politiker Kaiser Wilhelm I., die bahnbrechende Sozialgesetzgebung zu schaffen. 1881 kündigte Wilhelm entsprechende Beratungen an. Es vergingen Jahre. Kranken- und Unfallversicherung waren eingeführt, da wurde 1889 der Grundstein der Rentenversicherung verabschiedet, das "Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz". Es galt ab 1891.

Ab 16 Jahren herrschte Versicherungszwang für Arbeiter. Der Durchschnittsbeitragssatz betrug 2 Prozent des Lohns - heute sind es 18,9 Prozent. Besonders wichtig waren zunächst die Invalidenrenten. Altersrente bekam man im Prinzip erst mit 70 nach 30 Beitragsjahren. Die Lebenserwartung eines Mannes betrug damals aber nur gut 37 Jahre im Schnitt. Die Rentenversicherung muset schwere Schläge hinnehmen. Während der Inflation von 1921 bis 1923 verlor sie 90 Prozent ihres Vermögens. Die Nationalsozialisten schafften die bestehende Selbstverwaltung der Rentenversicherung ab. Ab 1938 flossen hohe Summen der Rentenkasse in Kriegsvorbereitungen und Krieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich die Versicherung in der Bundesrepublik. Erhöhungen sicherten den Älteren zumeist einen beschaulichen Lebensabend. So gewann Kanzler Konrad Adenauer (CDU) 1957 eine "Rentenschlacht" gegen die Wirtschaft. Die Renten wurden an die Entwicklung der Löhne angepasst und dynamisiert - sie wurde zum Lohnersatz. Die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt (SPD) ließ den Sozialstaat expandieren und verbesserte in einer Reform 1972 auch die Lage der Rentner. 1986 kam die "Mütterrente" - Erziehungszeiten wurden anerkannt.

Die Rentner in der DDR mussten sich dagegen in der Mehrzahl mit Kleinstrenten zufriedengeben. Nach der Wiedervereinigung sollte es schnell gehen mit einem einheitlichen Sozialsystem - eine komplette Angleichung der Renten in Ost und West gibt es jedoch bis heute nicht.

Zukunftssorgen

Derzeit steht die Rentenversicherung blendend da. Zwar belastet die abschlagsfreie Rente mit 63 und die erweiterte Mütterrente die Rentenkasse mit Milliarden. Der Beitragssatz sinkt dennoch 2015 um 0,2 Punkte, die Renten sollen im Sommer so erhöht werden, dass auch die Kaufkraft steigt. Doch die Babyboomer, die heute die Sozialkassen als Beitragszahler stützen, verabschieden sich bis 2035 aus dem Erwerbsleben - der Beitrag steigt und es gibt immer weniger Sicherheit vor Altersarmut. Die Zukunft der Renten in heutiger Form ist unsicher.
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