Vor 25 Jahren unterzeichneten Wolfgang Schäuble und Günther Krause den Einigungsvertrag ...
Mehr als 900 Seiten und immer noch Streit

Am 31. August 1990 unterzeichneten der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (links) und DDR-Staatssekretär Günther Krause den "Vertrag über die Herstellung der deutschen Einheit". Archivbild: dpa
Auch heute - 25 Jahre nach Unterzeichnung des in weniger als acht Wochen fertiggestellten Einigungsvertrag - wird immer noch heftig gestritten: über Ost-Datschen, Wasseranschlüsse, DDR-Diplome, Renten, "in der DDR geschiedene Frauen", Regierungs-Doppelsitze, Vereine - und, und, und.

Der Beitritt der "neuen Länder" zur Bundesrepublik nach Artikel 23 des Grundgesetzes hat sich bekanntlich durchgesetzt - auch weil die ungeduldige Mehrheit der DDR-Bürger 1990 es so wollte. Aber die Chance für echte Erneuerungen in ganz Deutschland wurde verpasst. Rückblickend wäre es sicher besser gewesen, nicht auf einen Schlag das gesamte westdeutsche Rechtssystem auf Ostdeutschland zu übertragen, räumte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) einmal ein. Immerhin: Als die damaligen Unterhändler Wolfgang Schäuble und Günther Krause (beide CDU) am 31. August 1990 jenen - mit Anhängen mehr als 900 Seiten dicken - "Vertrag über die Herstellung der deutschen Einheit" in Berlin unterzeichneten, galt ein fein austariertes Ost-West-Verhältnis: Die Füllfederhalter der Marke "Markant" kamen aus der DDR, das Papier aus Bonn; angestoßen wurde mit West-Sekt in Ost-Kristallgläsern - so heißt es jedenfalls. Schäuble meinte zur 25-Jahres-Bilanz, Wiedervereinigung und Einheit seien doch insgesamt recht gut gelungen. Krause gelangte mit dem Abstand von 20 Jahren schon 2010 zu dem Schluss: "So vieles gibt es nicht, was man hätte anders machen sollen oder können." Die Umsetzung aber hätte besser sein können. Was mit der Grund dafür ist, dass über den Wert von DDR-Bildungsabschlüssen immer noch Gerichte urteilen müssen. Oder dass über das Bonn-Berlin-Gesetz und den teuren Doppel-Regierungssitz alljährlich gestritten wird. Mit dem Einigungsvertrag wurde Berlin als Hauptstadt festgeschrieben.

Inzwischen sind nur noch 38 Prozent der Ministeriums-Arbeitsplätze in Bonn ansässig - ein weiterer Rückgang gegenüber Dezember 2014 und aus Sicht der Bonn-Unterstützer ein Verstoß gegen das Gesetz. Der "Rutschbahneffekt" zulasten Bonns dauert an. Gerade Ost-Politiker argumentieren: Ein Komplettumzug erhöhe nicht nur die Effizienz, sondern sei auch ein wichtiger Schritt zur Vollendung der Einheit.
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