Vorwürfe gegen CDU-Generalsekretär Peter Tauber
Der Marathon-Mann strauchelt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (links) zu Beginn einer Fraktionssitzung im Deutschen Bundestag mit CDU-Generalsekretär Peter Tauber (rechts) und der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Nadine Schön (vorne). Gegen Tauber werden Vorwürfe laut: Er soll in früheren Jahren nichts gegen das Wegmobben einer CDU-Kreisgeschäftsführerin sowie sexistische Kommentare von Parteikollegen unternommen haben. Bild: dpa

Angela Merkels CDU-Generalsekretär muss Mobbingvorwürfe aus der Welt schaffen, um einen sauberen Start ins Wahljahr 2017 hinzulegen. Es geht um ganz schmutzige Wäsche. Ausgerechnet vor Peter Taubers Nominierung für den Bundestag.

Berlin. Vielleicht hätte Peter Tauber es ja unter die magische Grenze von vier Stunden beim Marathon in Berlin geschafft - wenn er den Kopf frei gehabt hätte. Wenn. Wenn da nicht diese Mobbingvorwürfe gegen ihn wären. So kam zur physischen Anstrengung über 42,195 Kilometer am Sonntag noch eine psychische dazu. Zwar kann sich seine Zielzeit von 4:07:35 sehen lassen. Aber eigentlich wäre mehr drin gewesen. Tauber ist ehrgeizig. Sonst hätte die Kanzlerin den Hessen auch kaum 2013 zum Generalsekretär ihrer CDU gemacht. Da er gerade 39 Jahre alt und seit vier Jahren im Bundestag.

"Kaninchen" weggemobbt


Nun hat die breite Öffentlichkeit von Vorgängen erfahren, die den Sportler unfair und unsportlich erscheinen lassen, zumindest in der Politik. Es geht um ein Papier unter dem üblen Titel "Pflegehinweise für das Kaninchen", mit dem vor zehn Jahren die CDU-Geschäftsführerin von Taubers Heimat-Kreisverband Main-Kinzig, Anne Höhne-Weigl, weggemobbt werden sollte. Hat Tauber das Papier mitverfasst, über das die "Süddeutsche Zeitung" einen Tag vor dem Marathon berichtete?

Tauber sagt: "Ich kannte das Papier. Ich habe es aber nicht geschrieben." Etwas dagegen unternommen habe er damals aber auch nicht. "Aus heutiger Sicht war das ein Fehler." An diesem Freitag ist Kreisparteitag in Bruchköbel. Tauber wird auftreten und sich der heiklen Angelegenheit stellen. Kneifen will er nicht. In den vergangenen Monaten sei seinem Heimatverband und in der Lokalpresse viel schmutzige Wäsche gewaschen worden, heißt es in der CDU. Der Generalsekretär würde die Sache gern ein für alle Male bereinigen.

Schmutzige Wäsche. Inzwischen sind auch E-Mails aufgetaucht - sie sind vier Jahre alt -, in denen Tauber als damaliger CDU-Kreischef ein paar "Jungs" in der Partei zur Suche nach einer geeigneten Frau auffordert, die den Posten der örtlichen Frauen-Union übernehmen könnte. Es gehen Männersprüche hin und her. Auch hier unternimmt er nichts dagegen, und ist am Ende froh, dass er mit Katja Leikert eine aufstrebende Frau gefunden hat. Sie ist heute Bundestagsabgeordnete.

Ist Tauber nun frauenfeindlich? Warum werden die Vorwürfe erst jetzt bundesweit bekannt? Hat das etwas mit seiner bevorstehenden Nominierung für den Bundestag zu tun? Passt diese Geschichte in die aktuelle Sexismus-Debatte, die die Berliner Politikerin Jenna Behrends mit einem Brandbrief und der Schilderung eigener verstörender Erfahrungen in der CDU ausgelöst hat? Jene Jenna Behrends, mit der Tauber nach eigenen Angaben mal "geflirtet" hat.

"Jünger, bunter, weiblicher"


Tauber wollte die Christdemokraten kurz nach seinem Amtsantritt darauf einschwören, die Partei "jünger, bunter und weiblicher" zu machen. Er suchte nach neuen Gesichtern, die den Anspruch der CDU, Volkspartei zu sein, auch verkörpern. Hin und wieder entlädt sich jedoch Unmut über Tauber. Dann stimmen die Delegierten auf Parteitagen gegen seine Ideen. Oder Parteimitglieder klagen, dass er kein "Wadenbeißer" sei, wie es sich für einen richtigen Generalsekretär gehöre. Das dürfte aber auch an Merkel liegen, die selbst in der erbitterten Auseinandersetzung mit der CSU über die Flüchtlingspolitik Tauber nicht "von der Kette" ließ.

Tauber ist für Merkel wichtig, nicht nur, weil er vergleichsweise jung ist und auf der Klaviatur der sozialen Medien spielt. Merkel hat kein Interesse daran, dass ihr Generalsekretär geschwächt ins Wahljahr 2017 geht. Sie würde ihn nicht so schnell fallen lassen, aber er muss die Sache aus der Welt schaffen. Einen Schritt hat er nun getan: Er bedauert sein Verhalten von vor zehn Jahren. Und vermutlich wird er darüber nachdenken, wem er künftig vertrauen wird. Seinen "Jungs" von damals eher nicht.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.