Vorwürfe und Pläne
Trump zieht erneut vom Leder

Etwa zwei Wochen bleiben Donald Trump, die in Umfragen führende Hillary Clinton einzuholen. Mit einem Plan für die potenziellen ersten Tage im Weißen Haus will er den Blick nach vorn lenken. Aber zugleich zieht er erneut vom Leder.

Gettysburg/Los Angeles. Mit einem 100-Tage-Plan will der US-Republikaner Donald Trump bei einem Wahlsieg am 8. November sofort nach Amtsantritt einen radikalen Wandel einleiten. In einer Rede in Gettysburg listete Trump Dutzende Vorhaben auf - von Neuverhandlungen über internationale Handelspakte bis zu einem Stopp der Einwanderung aus bestimmten Ländern.

Erneut beschuldigte der Präsidentschaftskandidat die Medien, seine demokratische Rivalin Hillary Clinton und das politische Establishment, durch und durch korrupt zu sein. Demnach wollen ihm Clinton - die in den meisten Umfragen in Führung liegt - und die Medien durch die Verbreitung von erfundenen Geschichten die Wahl stehlen.

In seinem Programm wiederholte der Milliardär weitgehend bereits bekannte Pläne. So will er neu über das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta verhandeln, aus dem Transpazifischen Handelspakt TPP aussteigen und "Handelsmissbrauch" durch andere Staaten unterbinden. Weiter versprach er, unverzüglich mit der Abschiebung straffälliger illegaler Einwanderer zu beginnen und Immigration aus bestimmten "terrorismusanfälligen Regionen" auszusetzen.

Umweltauflagen kippen


Am Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko hält der Immobilienunternehmer ebenfalls fest. Und er versicherte erneut, dass Mexiko dafür zahlen werde - wovon die mexikanische Regierung freilich nichts wissen will. Den "Sumpf der Korruption in Washington" will Trump unter anderem durch die Begrenzung der Amtszeiten von Kongressmitgliedern trockenlegen. Alle "verfassungswidrigen" Verordnungen von Präsident Barack Obama und dessen Gesundheitsreform sollten ebenso rückgängig gemacht werden wie eine Reihe von Umweltauflagen und anderen Regulierungen.

Trumps Auftritt in Gettysburg sollte symbolträchtig sein. Dort hatte Präsident Abraham Lincoln 1863 bei der Einweihung eines Friedhofes für im Bürgerkrieg gefallene Soldaten zur Einheit aufgerufen und Freiheit und Gleichheit beschworen. Wie damals sei das Land auch heute gespalten, sagte Trump am Samstag. Er wolle die Spaltung "heilen". Dann verbrachte Trump aber die ersten 15 Minuten der Rede mit massiven Attacken gegen seine Kritiker und die Medien. Clinton repräsentiere ein System, das manipuliert und kaputt sei - was sich schon darin zeige, dass sie trotz zahlreicher "Gesetzesbrüche" überhaupt kandidieren dürfe, behauptete Trump. Clinton erklärte dazu: "Ich denke nicht einmal daran, darauf zu antworten."

Ohne Erlaubnis geküsst?


Jene Frauen, die ihn der sexuelle Belästigung beschuldigt haben, will Trump nach der Wahl verklagen. Inzwischen ging eine weitere Frau mit Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Eine Pornodarstellerin und Produzentin trat am Samstag mit der Frauenanwältin Gloria Allred in Los Angeles an die Öffentlichkeit. Nach ihrer Schilderung lud Trump sie 2006 am Rande eines Golfwettbewerbs in seine Suite ein. Dort habe er - nur mit einem Schlafanzug bekleidet - sie und zwei Begleiterinnen in eine Umarmung gerissen und ohne Erlaubnis geküsst. Nachdem sie die Räume verlassen habe, seien ihr telefonisch 10 000 Dollar angeboten worden, wenn sie zurückkomme, was sie abgelehnt habe. Das Trump-Lager nannte die Anschuldigungen "lächerlich".
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