Waffenarsenal im Haus: Sportschützin vor Gericht
Gewehre, Pistolen, Revolver und Munition

Symbolbild: dpa
Weiden. (ms) Halbautomatische Gewehre, Pistolen, Revolver und ganze Säcke voll klein- und großkalibriger Munition. All das fand die Polizei in einem Wohnhaus in Weiden-Süd. Der Besitzer, sagt ein Polizeibeamter, hätte "den ganzen Stadtteil in die Luft jagen können". Jetzt stand seine Frau vor Gericht.

Bei der Durchsuchung des Wohnhauses war die Polizei auf ein ganzes Arsenal von Gewehren, Pistolen und Patronen gestoßen. Zuvor hatte sie den 66-jährigen Besitzer wegen Munitionsdiebstahls festgenommen. Zum Teil waren die Sachen ordnungsgemäß in Waffenschränken versperrt. Teils lagen sie aber auch im Keller, in der Garage oder im Esszimmer unter dem Tisch herum. Im Nachtkästchen fanden die Beamten eine durchgeladene Pistole. "Jeder Einbrecher hätte mit den Sachen einen Krieg anfangen können", sagte ein Kriminalbeamter vor Gericht.

Der Rentner war im Juli letzten Jahres zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden (Link zum Bericht). Über Monate hatte er zusammen mit einem Komplizen nachts Munitionsschrott vom Truppenübungsplatz Grafenwöhr entwendet. Nach einer spektakulären Verfolgungsjagd, bei der die Diebe den Polizeiwagen mehrfach abzudrängen versuchten und auch mit bis zu elf Kilo schweren Kartuschen bewarfen, wurden sie schließlich festgenommen. Der 67-jährige Kumpan erhielt eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren.

Neue Gewehre gebaut

Am Dienstag stand die Ehefrau des 66-Jährigen vor dem Schöffengericht. Denn sie hatte Zugang zur Munition, die zum Teil dem Kriegswaffengesetz unterliegt, und den schon mal erheblich manipulierten Waffen. Vieles vom Aufgefundenen sei legal erworben, ließ die 58-Jährige über ihren Anwalt Thomas Fatscher (München) erklären. Als Sportschützin besitze sie auch eine Waffenbesitzkarte. Mit den Basteleien ihres Mannes habe sie nichts zu tun. Sie besitze auch gar nicht die Kenntnisse und Fähigkeiten dazu. Durch legalen Ankauf von Einzelteilen zu den Waffen, die das Ehepaar besitzen durfte, hatte der Rentner neue Gewehre gebaut. Was der Mann mit 22.000 Schuss großkalibriger Munition und vielen Hundert weiteren Patronen verschiedensten Kalibers vorgehabt hatte, war in der Verhandlung nicht zu erfahren.

Wegen der unklaren Aufbewahrungsdauer seien manche Patronen, die eigentlich unter das Kriegswaffengesetz fallen würden, nicht mehr "zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Staaten" geeignet und müssten vernichtet werden, berichtete ein Sachverständiger des Bayerischen Landeskriminalamts.

Nachdem Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und Staatsanwalt Oliver Schmidt überzeugt waren, dass die Verantwortlichkeit für die Verstöße gegen das Waffengesetz nicht bei der Angeklagten, sondern eher bei ihrem Ehemann liegen dürfte, einigte man sich mit Rechtsanwalt Fatscher auf Einstellung des Verfahrens gegen eine hohe Geldauflage. Die gelernte Hauswirtschafterin muss 4800 Euro (in Raten à 800 Euro) an die Staatskasse zahlen. Das Verfahren gegen ihren Gatten stellte Staatsanwalt Schmid ein, da er demnächst sowieso seine dreijährige Haftstrafe antreten muss. Die konfiszierten Waffen und die Munition werden vernichtet.
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