Waffenruhe in Syrien hält bislang
Ein Tag ohne Angst

Syrische Kinder genießen die Waffenruhe und spielen in den zerstörten Städten. Doch Aktivisten trauen weder der Feuerpause noch ihrer Nachhaltigkeit. Bild: Mohamad Abazeed/AFP

Lange haben die Menschen in Syrien auf diesen Zeitpunkt gewartet: Eine Nacht schlafen, ohne das Geräusch explodierender Bomben. In der ersten Nacht hielt die Waffenruhe. Derweil hat die US-Luftwaffe eine Anlage zur Chemiewaffenproduktion des IS zerstört.

Damaskus. Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen, da tobten die Kinder in den Straßen. Karussells drehten sich, angetrieben von den schnellen Händen der Größeren. Schaukeln und Mini-Riesenräder wurden rasch errichtet und von den Kindern in Beschlag genommen. Zu hören ist nichts außer dem frohen Geschrei der Kinder. Keine Bomben, kein Wehklagen. Videos, die im Internet kursieren, zeigen den Auftakt zum muslimischen Opferfest Eid al-Adha in Syrien - und den Beginn der Waffenruhe am Montagabend.

Misstrauen bleibt


Die Bilder stammen aus Dscharablus an der türkischen Grenze und aus der Nähe von Damaskus. Aber nicht überall im Land sind die Menschen in diesen Tagen in Feierstimmung, obwohl es das höchste Fest für die Muslime ist. "Wir trauen dem Regime nicht", sagt Abdel-Mounaim Dschuneid, ein Aktivist aus der umkämpften Metropole Aleppo. "Hier sind die Menschen kaum in Stimmung. Sie haben sich und den Kindern keine neuen Kleider gekauft, sondern sparen das Geld lieber, um sich etwas zu essen zu kaufen."

Die Straßen seien leer, sagt der Syrer. Verwandte könnte man nicht besuchen, wie sonst üblich. Die vielen Frontlinien verlaufen quer durchs Land, quer durch die Städte. Hinzu kommt, dass viele Menschen ohnehin kein Benzin mehr hätten. In Aleppo seien die Märkte leer geblieben, weil die Menschen jederzeit doch mit einem Angriff rechneten, erzählt der Aktivist. Doch am ersten Tag hielt die Waffenruhe größtenteils. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte dokumentierte nur vereinzelt Verletzungen der Feuerpause. "Die Nacht war zum ersten Mal seit Monaten wieder ruhig", sagt Dschuneid. "Wir haben keine Kampfjets gehört und keine Bomben."

Die Skepsis aber bleibt, denn auch früher hatte es immer wieder Versuche gegeben, die Gewalt in dem mittlerweile fünf Jahre andauernden Bürgerkrieg zu beenden. Doch nie waren die Erholungspausen für die Menschen von langer Dauer. Zu einem fruchtbaren Friedensprozess führte bisher keine der Waffenruhen.

US-Luftwaffe attackiert IS


Die USA und Russland hatten am Wochenende eine mehrtägige Waffenruhe für das ganze Land ausgehandelt. Islamistische Gruppierungen wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sind davon ausgeschlossen. So hat die USA am Montag - nach eigenen Angaben am späten Dienstagabend - eine Anlage zur Chemiewaffenproduktion nahe Mossul angegriffen, wie Jeffrey Harrigian, Kommandeur der US-Luftwaffe, erklärte. Man glaube, dass der IS dort Chlor- oder Senfgas hergestellt habe.

Die Zivilisten hoffen indes gerade in den belagerten Gebieten jetzt vor allem darauf, mit dem Nötigsten versorgt zu werden. Seit Anfang Juli sind keine Hilfslieferungen mehr nach Aleppo gelangt. "Sobald wir grünes Licht bekommen, können wir mit den Hilfslieferungen beginnen", sagt David Swanson von der UN-Nothilfekoordination.
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