Wahlkampf in den USA
Obama hält Trump für ungeeignet

Donald Trump, Präsidentschaftskandidat der Republikaner, ist für das Amt der USA ungeeignet. Das meint zumindest der aktuelle Amtsinhaber Barack Obama. Bild: dpa

Der Wahlkampf in den USA erreicht eine neue Stufe. Präsident Obama ruft die gegnerischen Republikaner öffentlich zum Bruch mit Donald Trump auf. Was treibt Obama zu diesem ungewöhnlichen Schritt?

Washington. Die Samthandschuhe sind weg: Im US-Wahlkampf wird jetzt mit nackten Fäusten gekämpft. Vornehme Zurückhaltung, selbst beim Präsidenten, ist Teil der Vergangenheit. "Ja, der republikanische Kandidat ist nicht geeignet", sagte Barack Obama mit Blick auf Donald Trump - eine Einmischung eines Amtsinhabers in den Kampf um seine Nachfolge, wie sie bisher beispiellos erscheint. "Dies ist sicher eine Abkehr von dem, wie bisher mit Trump umgegangen wurde", sagte CNN-Expertin Nia-Malika Henderson.

Clinton "Teufel" genannt


Vorausgegangen waren Tiraden aus dem Wahlkampflager Trumps, wie sie selbst für den selbstbewussten Immobilienmilliardär nicht üblich sind. Er griff die Familie eines für die USA im Krieg gefallenen Muslimen an, er verstrickte sich in haarsträubende Aussagen zum Ukraine-Konflikt und seine Beziehung zu Russlands Präsident Wladimir Putin - nachweisliche Lügen inklusive. Ganz nebenbei bezeichnete er seine Gegnerin Hillary Clinton noch schnell als "Teufel" und unterstellte für den 8. November schon mal vorsorglich für den Fall einer Niederlage Wahlbetrug.

Spätestens jetzt ist es zu einem Paradigmenwechsel im Umgang mit Trump in den USA gekommen. Der hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, er hat sich mit nationalen Heiligen Amerikas angelegt - den Kriegshelden.

In einem Gastbeitrag für die "Post" resümierte der Politologe Robert Kagan von der angesehenen Brookings Institution: "Man fragt sich, ob die Führung der Republikaner angefangen hat zu erkennen, dass sie ihr Schicksal und das ihrer Partei einem Mann übergeben haben könnte, der eine Persönlichkeitsstörung hat." Trump habe einfach nicht die Größe, die er als US-Präsident benötige, auch einmal den Mund halten zu können. Trump laufen haufenweise die Gefolgsleute davon, zuletzt verließ Sally Bradshaw die Republikaner, eine einflussreiche Vertraute von Jeb Bush, die jetzt im Fall des Falles für Hillary Clinton stimmen wird.

"Jetzt reicht es!"


Die Führungsriege der Republikaner distanziert sich bisher nur punktuell von ihrem Kandidaten. John McCain, Urgestein der Partei und selbst 2008 Präsidentschaftskandidat, fühlte sich jüngst zu einer Erklärung gezwungen. "Ich hoffe, die Amerikaner verstehen, dass dies nicht die Sichtweise der republikanischen Partei, ihrer Mitarbeiter oder Kandidaten widerspiegelt", heißt es in Bezug auf Trumps Umgang mit hochdekorierten Kriegshelden.

Obama ruft in einem ungewöhnlichen Schritt nun zu mehr auf. Die Beteuerungen der Republikaner klängen unglaubwürdig, sagt er. "Wenn man wiederholt bekennen muss, dass das, was er sagt, nicht akzeptabel ist, warum unterstützt man ihn dann immer noch?", fragt er. "Das ist nicht mehr so, dass es hin und wieder einen Fehltritt gibt. Das passiert täglich", sagte er. "Man muss zu dem Punkt kommen, wo man sagt: Jetzt reicht es!"
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