Warten auf den Einsatzbefehl

Alexander S. (links) und Nils G. stehen auf dem Fliegerhorst in Jagel (Schleswig-Holstein) vor einem Tornado-Aufklärer des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 "Immelmann". Maschinen des Geschwaders werden im Kampf gegen den IS eingesetzt. Bild: dpa

Deutsche Piloten stehen vor einem der heikelsten Aufträge in der Geschichte der Bundeswehr. Tornado-Jets sollen in Syrien den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat unterstützen. Da schwingen auch Sorgen mit.

Das Brüllen der Düsentriebwerke hallt über das Flugfeld in Jagel. Dann schießt der Tornado-Aufklärungsjet über die Startbahn und hebt ab in den Himmel über Schleswig-Holstein. Noch sitzen die Piloten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 "Immelmann" nur zu Trainingszwecken in ihren Fliegern. Bald schon wird es aber ernst für sie. Die Soldaten sind Teil der deutschen Beteiligung am Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Kurz nach dem Übungsflug des Tornados gibt der Bundestag am Freitag dafür grünes Licht. "Dieser Einsatz ist sicherlich gefährlich", sagt Geschwader-Kommodore Michael Krah. "Sorgen muss man sich natürlich machen, aber keine übertriebenen." Der Einsatz in Syrien gilt als eine der heikelsten Missionen in der Geschichte der Bundeswehr.

Stationierung in Incirlik

In der kommenden Woche sollen die ersten Maschinen von Schleswig-Holstein aus in Richtung Türkei aufbrechen. Zunächst werden rund 50 Soldaten in Incirlik stationiert. Wie viele weitere aus Jagel folgen werden, steht noch nicht fest. Insgesamt sechs Maschinen sollen in der Türkei stationiert werden und von dort voraussichtlich erstmals im Januar zu Aufklärungsflügen nach Syrien starten. Mit den dabei gewonnenen Informationen will Deutschland jene Nationen unterstützen, die Luftangriffe gegen mutmaßliche IS-Stellungen fliegen. Der Einsatz ist eine Antwort Deutschlands auf die Terroranschläge von Paris. Ihre Daten können die Aufklärungsflieger aus der Luft an die Bodenstationen übertragen. Ihre Reichweite beträgt laut Bundeswehr mehrere Hundert Kilometer.

Zuletzt hatte es Zweifel am Zustand vieler Jets der Luftwaffe gegeben. Nach einem Ministeriumsbericht sind von den 66 verfügbaren Tornados derzeit nur 29 einsatzbereit. Der 40 Jahre alte Tornado-Pilot Alexander S. hat am Zustand seines Fliegers keinen Zweifel: "Auch wenn die Hülle schon 21 Jahre im Einsatz ist, das Innere der Maschinen ist absolut modern." Er saß bereits während des Afghanistan-Einsatzes im Cockpit eines Tornados.

"Aufklärung kann man nie genug haben", sagt Krah. Die Jets seien wesentlich flexibler als eine Drohne. "Mit ihnen kann man große Flächen abdecken mit detaillierten Bildern." Unter ihrem Rumpf befindet sich ein Behälter mit optischen Kameras und Infrarot-Scanner. Die Flieger kamen bereits während des Kosovo-Krieges und in Afghanistan zum Einsatz. Und dennoch schwingt beim Gedanken an die Bilder des vom IS verbrannten jordanischen Piloten Sorge mit. Das spiele in den Köpfen der Besatzungen natürlich eine Rolle, sagt Krah. Pilot Alexander S. meint: "Natürlich haben wir uns auch diese Videos angeschaut und natürlich ist das ganz schrecklich." Er habe jedoch Vertrauen in die internationale Rettungskette. "Das gibt uns die Zuversicht, dass man sehr schnell gerettet wird, wenn man irgendwo in diesem Land runterkommt." Ein gewisses Restrisiko bestehe aber immer.

"Es ist ein neuer Gegner"

"Grundsätzlich gibt es in den Höhen, in denen wir fliegen, keine Bedrohungen", sagt der Pilot und spricht vage von "mittleren" Höhen. Zu ihrer Verteidigung werden die Maschinen im Gegensatz zum Afghanistan-Einsatz auch mit Luft-Luft-Raketen ausgerüstet. Das Risiko eines Angriffs vom Boden beispielsweise durch Raketenbeschuss hält Waffensystem-Offizier Nils G. "für überschaubar". Das Szenario gleiche in gewisser Weise dem in Afghanistan. "Es ist allerdings ein neuer Gegner, von dem wir nicht wissen, wie er reagiert."
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