Was der neue Weltklimavertrag bedeutet

"Auf Wiedersehen, fossile Brennstoffe" steht auf dem aus Pappe gebastelten Rettungsring dieses Kindes am Rande de Klimagipfels.
Der Weltklimavertrag ist ein historischer Durchbruch - doch die Arbeit geht jetzt erst los. Wenn die Staaten ihr Ziel ernst nehmen, die Erderwärmung zu begrenzen, hat das erhebliche Folgen. Was würde der Klimaschutz langfristig bedeuten?

Ziel: Die Erderwärmung soll auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden. Die Vertragsstaaten sollten sich aber anstrengen, sie bei 1,5 Grad zu stoppen.

Weg zum Ziel: Die Staaten wollen den Netto-Ausstoß ihrer Treibhausgase in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts auf Null bringen: Sie dürfen dann nur noch so viele Treibhausgase ausstoßen, wie etwa mit Waldanpflanzungen aus der Atmosphäre gezogen wird. Für viele Forscher bedeutet dies, dass die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas im Fall des Zwei-Grad-Ziels zwischen 2050 und 2070 enden muss, denn Kohlendioxid ist sehr langlebig. Die Länder sollen ihre Ziele ab dem Jahr 2020 alle fünf Jahre nachbessern.

Geld für Klimaschutz und Anpassung: Von 2020 bis 2025 sollen die Industriestaaten jährlich 100 Milliarden Dollar (91 Milliarden Euro) für Entwicklungsländer bereitstellen. Für die Jahre danach soll es ein neues, höheres Ziel geben. Andere Länder "werden darin bestärkt", sich "freiwillig" an der Finanzierung zu beteiligen.

Verluste und Schäden: Die Vertragsstaaten erkennen die Notwendigkeit an, ärmeren Staaten bei Verlusten und Schäden durch den Klimawandel zu helfen. Für arme Länder soll ein Versicherungssystem gegen Schäden aufgebaut werden.

Verbindlichkeit: Entscheidende Teile der Klimaschutz-Vereinbarung sind völkerrechtlich verbindlich. Es gibt jedoch keine Strafen bei Nichterfüllung der Zusagen.

Investoren: Großanleger wie Pensionsfonds oder Versicherungen denken zunehmend darüber nach, ob sich Investitionen in Öl, Kohle und Gas noch rentieren. Nun, da die Staaten Ernst machen mit dem Klimaschutz, dürfte sich dieser Trend verstärken. Zugleich könnte das Abkommen Investitionen in erneuerbare Energien Schwung geben.

Deutschland: Als Industrieland soll Deutschland beim Klimaschutz vorangehen. Gerade nach dem Auftreten der Bundesregierung in den Verhandlungen fordern Opposition und Umweltschützer, dass Berlin die Energiewende forciert und den Ausstieg aus der Kohle-Stromproduktion einleitet. Um die Klimaziele für 2030 zu erreichen, müsse mehr als die Hälfte der Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, so die Denkfabrik Agora Energiewende.

Golfstaaten: Für die Ölproduzenten ist der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ein Einschnitt, der ihr Wirtschaftsmodell infrage stellt. Die Wüstenstaaten müssen versuchen, sich rechtzeitig neue Einkommensquellen zu schaffen.

Pazifik-Inseln: Für die kleinen Inselstaaten ist das 1,5-Grad-Ziel ein Hoffnungsschimmer. Sie konnten die Konferenz nutzen, um ihre Angst vor dem Untergang deutlich zu machen. Doch die Gefahr ist nicht gebannt, die 1,5 Grad sind schwer zu schaffen - die Inseln müssen sich auch auf die Folgen des Klimawandels vorbereiten.

Indien: Als Entwicklungsland darf Indien sich zwar noch Zeit lassen, bis es seine Emissionen drosselt. Trotzdem wird Klimaschutz eine gewaltige Aufgabe. Denn gleichzeitig muss Indien seine Wirtschaft ausbauen - ein Fünftel der Inder lebt in Armut, 300 Millionen haben keinen Strom. Allerdings kann das Land auf Unterstützung aus den Industriestaaten setzen, um etwa Energiehunger aus sauberen Quellen zu stillen. (dpa)
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