Was wurde aus Angela Merkel Adé?
Namensvetterin der Kanzlerin tanzt gern

Angela Merkel Adé und ihre Mutter Ophelya Adé vor einem Jahr. Die Mutter gab ihrem Baby aus Respekt vor der deutschen Kanzlerin deren Namen. Heute meidet sie lieber die Öffentlichkeit Bild: dpa

Von Ralf E. Krüger, dpa

Hannover. Angela Merkel ist eine begeisterte Tänzerin. "Wann immer Musik zu hören ist, springt sie sofort auf und zeigt ihr Können", sagt Nadine Hunkert vom Deutschen Roten Kreuz. Diese Angela Merkel mit dem charmanten Lächeln tanzt leidenschaftlich gerne - allerdings nicht im Kanzleramt, sondern in Hannovers früherem Oststadtkrankenhaus. Die nach der deutschen Kanzlerin benannte kleine Afrikanerin wurde vor einem Jahr weltbekannt, als Journalisten sie in Hannovers größter Flüchtlingsunterkunft entdeckten. Aus Dankbarkeit gegenüber der deutschen Bundeskanzlerin hatte die ghanaische Asylbewerberin Ophelya Adé (27) ihr Baby nach Merkel benannt.

Angela Merkel Adé - so der offizielle Name der Kleinen mit den frechen Zöpfen - lebt seit ihrer Geburt am 2. Februar 2015 im Oststadtkrankenhaus. Die Stadt hat es für etwa 800 Flüchtlinge umgebaut, zur Zeit sind rund 700 Plätze belegt. Ihre Familie würde aber gerne irgendwann in eine eigene Wohnung ziehen. Angela Merkels sechsjähriger Bruder Gabriel geht mittlerweile in den Kindergarten, die etwas ältere Schwester in die Grundschule und sie spricht auch schon ganz gut Deutsch. "Die Kinder lernen die Sprache relativ schnell - das ist unglaublich", sagt Hunkert.

Die kleine Angela Merkel dagegen ist vormittags in der Kinderbetreuung im Oststadtkrankenhaus, wo sie mit anderen Kindern spielt. Erste Worte kommen bereits über ihre Lippen. Auf andere Leute reagiere sie freundlich und habe immer ein breites Lächeln auf den Lippen, lässt die Familie über ihre Betreuer ausrichten. Nachdem die Nachricht über die kleine Afrikanerin mit dem berühmten Namen weltweit durch die Medien rauschte, wurde ihr Wohnort Anlaufpunkt für zahlreiche Medienteams. Das plötzliche Interesse stieß bei den Flüchtlingen erst auf Überraschung und dann schnell auf Ablehnung. "Es gab damals sehr viel Aufmerksamkeit, das möchten sie jetzt herunterfahren", erklärt Nadine Hunkert. Die Aufmerksamkeit stört bei der angestrebten Integration in den Alltag - Interview-Wünsche lehnt die Familie daher heute ab.

"Sie ist eine sehr gute Frau, mir gefällt sie", hatte Ophelya Adé aus Berekum Mpatase, einem kleinen Ort im Westen Ghanas, ihre Namenswahl im Vorjahr begründet. Ob sie dabei von den historischen deutschen Bezügen ihres Heimatlandes wusste, hatte sie offen gelassen; immerhin war der Ostteil des heutigen Ghana einst zusammen mit dem Nachbarstaat Togo eine deutsche Kolonie.

In Westafrika wie auch im Süden des Kontinents ist es noch heute durchaus Sitte, die Kinder nach Ereignissen oder berühmten Vorbildern zu benennen - in der Hoffnung, dass das Kind später auch mal so erfolgreich wie sein Namensvetter wird.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.