Wasserschaden treibt die Kosten für den Neubau der Zentrale weiter in die Höhe
"Watergate" beim BND

Hohn und Spott sind sie beim Bundesnachrichtendienst (BND) gewöhnt, wenn es um den Neubau ihrer Geheimdienstzentrale in Berlins Mitte geht. Doch seitdem Unbekannte auf der bestbewachten Baustelle Berlins in Putzräumen die Wasserhähne abmontiert und so am Dienstag weite Teile des Hauptgebäudes durchnässt haben, kommt es besonders dick. "Unbekannte fluten BND-Zentrale", ist noch ein eher harmloser Kommentar. Andere können sich Wortspielereien nach dem Motto nicht verkneifen, nun habe auch der BND sein "Watergate".

Das größte Bauvorhaben des Bundes seit dem Zweiten Weltkrieg ist ein Projekt mit Pleiten, Pech und Pannen. Mehrmals verzögerte sich nach dem ersten Spatenstich am 19. Oktober 2006 der ursprünglich für 2013 geplante Umzug der rund 4000 BND-Mitarbeiter vom früheren Hauptsitz in Pullach bei München in die Bundeshauptstadt. Pfusch am Bau, Umplanungen und zuletzt Probleme mit der Klimaanlage sorgten immer wieder für Verzögerungen. Jetzt soll bis zum Jahr 2017 umgezogen sein - doch ob das nach dem jetzigen Wasserschaden klappt?

Auch die Baukosten dürften jetzt weiter nach oben schnellen. Ursprünglich sollte die neue BND-Zentrale 730 Millionen Euro kosten. Unter anderem nach Streit mit Baufirmen ging das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung im vergangenen Jahr von 912,4 Millionen Euro aus. Der BND rechnete inklusive Umzug mit Gesamtkosten von 1,3 Milliarden Euro. Doch das dürfte nun nicht mehr reichen.

Elektronik nicht beschädigt

Voraussichtlich muss zum Beispiel in den Besprechungszonen der betroffenen Bereiche verlegtes Parkett wieder herausgerissen werden. Das stundenlang unter Druck aus den hahnlosen Leitungen geschossene Wasser soll teils zentimeterhoch auf den Hölzern gestanden haben. Ganz zu schweigen von aufwendigen und zeitraubenden Trocknungsaktionen, die jetzt nötig werden, und der Renovierung eines Deckenteils, das eingebrochen ist. Das genaue Ausmaß des Schadens war unklar. Während mit dem Bau befasste Experten einerseits das Wort "dramatisch" in den Mund nehmen, sagen andere, die Sache sei "relativ harmlos". Immerhin, so heißt es von mehreren Seiten, sei entgegen ersten Befürchtungen die Elektronik des riesigen Komplexes wohl nicht oder nur wenig in Mitleidenschaft gezogen. Auch Server-Räume und die geheimsten Bereiche des Baus seien verschont geblieben.

Über den oder die Täter herrscht Rätselraten. Dass Einbrecher über den lückenlos mit Videokameras überwachten Bauzaun geklettert sind, scheint Experten unwahrscheinlich. Auch ein Versehen wird fast ausgeschlossen. Von mit dem Bau vertrauten Seiten heißt es, es könne sich genauso um einen "dämlichen Jux" handeln wie um einen Sabotageakt von Geheimdienstkritikern unter den Handwerkern. Ein Polizeisprecher sagt, es werde in alle Richtungen ermittelt.
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