WDR berichtet von bislang unveröffentlichten Polizei-Videos aus Köln
Lage völlig entglitten

Köln. (epd) Der Polizeieinsatz in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof verlief einem WDR-Bericht dramatischer als bisher bekannt. Bislang unter Verschluss gehaltene Polizei-Videos offenbarten, wie riskant die Räumung des Bahnhofsvorplatzes mit nur rund 80 Bereitschaftspolizisten war, berichtet das WDR-Magazin "Westpol" in seiner Sendung vom Sonntag.

So zeigten die Filme, die dem WDR vorliegen, wie der Polizeieinsatz am 31. Dezember 2015 kurz vor Mitternacht mehrfach ins Stocken geraten sei. Am entscheidenden oberen Ende der Domtreppe habe letztlich nur eine Handvoll Beamte einer dicht gedrängten Masse von Leuten gegenübergestanden.

In den Polizei-Videos ist laut "Westpol" weiter zu sehen, wie es zu Schlägereien und Tumulten kommt. Eine junge Frau beschwert sich laut darüber, von Männern "angefasst" zu werden. Immer wieder durchbrechen Personen problemlos die Polizeisperre und laufen auf den Bahnhofsvorplatz. Anders als bislang bekannt, blieb demnach eine der Haupteingangs-Türen des Bahnhofes während der Räumung offen. Das hatte zur Folge, dass bereits kurz nach Ende der Räumung gegen 0.15 Uhr der Platz wieder dicht gefüllt gewesen war, wie es hieß.

Der ehemalige Hagener Polizeidirektor und Dozent für Einsatzlehre, Bernd Liedtke, kritisiere den Einsatz scharf. "Aus meiner Sicht ist die Lage vollkommen falsch beurteilt worden", sagte er dem WDR-Magazin. "Die Kollegen vor Ort waren überfordert und in großen Teilen sogar persönlich gefährdet", beurteilte Liedtke die Situation.
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