Wechsel in Würde: Trump zu Gast bei Obama
Versöhnliche Töne im Weißen Haus

Washington/Brüssel/Berlin. Der scheidende US-Präsident Barack Obama will nach eigenen Worten alles für eine friedliche Übergabe der Macht an seinen Nachfolger Donald Trump tun. Obama sprach am Donnerstag mit Wahlsieger Trump überhaupt zum allerersten Mal persönlich - in seinem Amtszimmer, dem Oval Office, im Weißen Haus. An Trump gewandt sagte er: "Wenn sie erfolgreich sind, ist das Land erfolgreich." Zuvor hatte Obama dem politischen Seiteneinsteiger Trump während des Wahlkampfes bescheinigt, er sei nicht fit zum Regieren.

Aus ursprünglich geplanten 10 bis 15 Minuten seien anderthalb Stunden geworden und es hätte nach seinem Geschmack noch länger dauern können, sagte Trump. "Es war mir eine große Ehre.""Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, das schließt auch seinen Rat ein", so Trump weiter an Obamas Adresse.

Proteste gegen Trump


Zuvor hatten Tausende Menschen quer durch die USA am Mittwochabend unter anderem mit Slogans wie "Nicht mein Präsident" gegen Trump protestiert. In rund zehn Städten von der Ost- bis zur Westküste der USA machten sie bei Protesten ihrem Unmut Luft. In Los Angeles legten die Protestler mehr als drei Stunden lang eine Hauptverkehrsader durch die Stadt lahm und verbrannten einen überdimensionalen Pappkopf von Trump. Zahlreiche Demonstranten versammelten sich auch vor dem Trump-Tower in New York, wo der Milliardär wohnt. Der 70-Jährige zieht am 20. Januar 2017 als 45. Präsident ins Weiße Haus ein.

Nach der Wahl von Trump mahnte Frankreichs Staatschef François Hollande die Europäer, geschlossen aufzutreten. Auf Europa und die Bundeswehr könnten mit einem US-Präsidenten Trump größere Rüstungsausgaben zukommen. "Wir können uns weniger darauf verlassen, dass die USA sich in den Krisengebieten der Welt engagieren und damit auch zur Sicherheit hier in Europa beitragen", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Henning Otte (CDU). EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker forderte mehr europäische Verantwortung in der Verteidigungspolitik - "bis hin zum Ziel der Einrichtung einer europäischen Armee". Man müsse sich von der Vorstellung verabschieden, die Amerikaner seien für die Sicherheit Europas zuständig. "Das müssen wir schon selbst tun."

Steinmeier fordert Klarheit


Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) fordert von Trump rasche Klarheit über dessen weltpolitische Ziele. "Es ist dringend, dass die neue Administration sich nun schnell sortiert und Positionen der neuen US-Regierung entwickelt", betonte Steinmeier in einem "Spiegel"-Interview. "Wir werden jedenfalls unsere Sicht der Dinge und unsere Haltung dazu anlanden. Ich weiß aus zahlreichen Gesprächen mit europäischen Nachbarn, wie irritiert sie über abschätzige Äußerungen über die Nato und Nato-Partner sind." Zugleich rechtfertigte Steinmeier seine Bemerkung vom August, Trump sei ein "Hassprediger". "Wie in den USA Wahlkampf gemacht wurde ... , das hat mich verstört und nicht nur mich."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zeigte sich besorgt über die Art der politischen Auseinandersetzung - auch in Deutschland. In einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung schrieb der CDU-Politiker: "Demagogischer Populismus ist nicht nur ein Problem Amerikas." Vor allem im Internet sei inzwischen "völlig egal, ob Behauptungen wahr sind - Hauptsache, der Empörungsgrad stimmt."

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit, das schließt auch seinen Rat ein.Donald Trump nach dem Treffen mit Barack Obama
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