Wegbegleiter und Familie erweisen Margot Honecker die letzte Ehre
Auf dem Sarg die DDR-Fahne

Santiago de Chile. Mit einer Trauerfeier haben Angehörige und politische Freunde in Chile Abschied von Margot Honecker genommen, die bis zu ihrem Tod eisern die DDR und den Mauerbau verteidigt hat. Die Witwe des früheren DDR-Staatschefs Erich Honecker war am Freitag im Alter von 89 Jahren in der Hauptstadt Santiago de Chile gestorben.

Dort lebte sie seit 1992 im Exil. Ihr Leichnam soll eingeäschert werden. Opferverbände kritisierten, dass sie nie für ihr Handeln als DDR-Ministerin für Volksbildung belangt worden sei, zum Beispiel für ihre mögliche Verantwortung bei Zwangsadoptionen von Kindern.

Auf dem Friedhof Parque del Recuerdo versammelten sich am Samstag rund 50 Trauergäste, darunter Honeckers Tochter Sonja und Vertreter der Kommunistischen Partei Chiles. Honeckers Sarg war bedeckt mit einer DDR-Fahne. Als Todesursache nannten chilenische Medien eine Krebserkrankung. Ihr Ehemann Erich war 1994 im Alter von 81 Jahren in Chile gestorben. "Ruhe in Frieden, Mama. Wir werden dich vermissen", sagte Tochter Sonja laut Trauergästen. Auch die Internationale wurde gesungen.

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, warf Margot Honecker vor, als Ministerin für Volksbildung (1963-89) durch Umerziehungs- und Zwangsmaßnahmen Familien zerstört zu haben. "Sie hat Biografien beschädigt und den Menschen die Selbstbestimmung genommen", sagte Jahn. Ihre Opfer seien zwangsadoptierte Kinder, Heimkinder oder Jugendliche, die in Jugendwerkhöfe eingewiesen wurden. "Sie leiden bis heute."

Jahn forderte eine Untersuchung ihres Handelns. Ermittlungen gegen Margot Honecker wurden Mitte den 1990er Jahre eingestellt. Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, sagte: "Sie war bis zum Tod eine böse, verstockte Frau."
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Uwe Werner Schierhorn aus Hohenfels | 17.05.2016 | 01:53  
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