Wegweiser der Weltpolitik

Die Türkei ist vorbereitet: Ein Polizist am Kontrollpunkt vor dem Gelände, auf dem am Wochenende der G20-Gipfel beginnt. In Antalya treffen sich die Mächtigsten der führenden 20 Staaten, um über eine Lösung für den Krieg in Syrien zu beraten. Bild: dpa

Syrien-Krise, Flüchtlinge, Klimawandel, Steuerreform und der Kampf gegen Armut - der Gipfel der G20-Staaten im türkischen Antalya hat viel vor. Können sich die Mächtigsten der Welt endlich mal einigen?

Es müsste ihnen eine Lehre sein: Schon vor zwei Jahren haben die G20-Staaten bei ihrem Gipfel in St. Petersburg eine Chance verpasst, die Krise in Syrien anzupacken und die Flucht aus dem Land aufzuhalten. Zwei Millionen Menschen hatten 2013 bereits Zuflucht in Nachbarstaaten wie Libanon, Jordanien und der Türkei gesucht. Aber das Drama schien weit weg von Europa und interessierte auch in Deutschland niemanden so recht - bis nun genau diese Flüchtlinge plötzlich täglich zu Tausenden über die Grenze nach Deutschland kommen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die mächtigsten Vertreter der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) die Hoffnungen enttäuscht haben. "Das sagt etwas über die G20", sagt Steve Price-Thomas von der Hilfsorganisation Oxfam in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur vor dem G20-Gipfel am Wochenende in Antalya. Wie gelähmt waren sie damals, 2013, als sie über mögliche US-Raketenschläge als Reaktion auf den Chemiewaffeneinsatz in Syrien stritten und am Ende tatenlos auseinandergingen.

In Finanzkrise bewährt

Oft hat sich der Verbund der höchst unterschiedlichen Staaten als unfähig erwiesen, konkrete Schritte zur Lösung großer Konflikte zu ergreifen. Seine wahre Geburtsstunde war allerdings die globale Finanzkrise 2008, als das große Forum mit den aufgestiegenen Schwellenländern unverzichtbar war, um die Welt wieder auf das rechte Gleis zu bringen. "Es hat sich von einem Krisenstab zu einer globalen Steuerungsgruppe entwickelt", findet John Kirton von der G20-Forschungsgruppe der Universität Toronto.

Der Prozess mit Präsidentschaften jeweiliger Länder - diesmal die Türkei - läuft über das ganze Jahr, lässt die Welt zusammenrücken. Auch regierungsunabhängige Organisationen wie Oxfam, Greenpeace oder Transparency International sind eingebunden. Es geht um die Kluft zwischen Arm und Reich, eine gerechtere Welt und den Klimawandel. Drei Viertel aller Treibhausgase werden von den G20-Staaten abgegeben. Zwei Wochen vor dem Weltklima- gipfel in Paris fordern Umweltschützer in Antalya ein "starkes Signal", dass es die G20 mit dem Kampf gegen die Erderwärmung auch ernst meinen. Im Mittelpunkt stehen aber wohl der Syrienkrieg und das Schicksal der Flüchtlinge. Am Sonntag trifft der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit US-Präsident Barack Obama zusammen. Er plane außerdem zahlreiche andere Treffen, zum Teil bereits vor Beginn des zweitägigen Gipfels.

Das Verhältnis zwischen Obama und Erdogan war in den vergangenen Jahren von Spannungen geprägt. Im Syrien-Konflikt kritisiert die Türkei, dass die USA die kurdischen Milizen der PYD mit Waffen ausrüsten. Die Türkei betrachtet die PYD - den syrischen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - als Terrororganisation.

"Politisches Gewicht"

Die G20-Staaten müssten "ihr politische Gewicht nutzen, um alles Mögliche zu tun, die Kämpfe in Syrien zu beenden", forderte G20-Spezialist Price-Thomas. Nach Deutschland müssten nun auch andere Länder Verantwortung übernehmen. Erdogan sagte, er rechne mit einer "umfassenden Abschlusserklärung", von der noch bei künftigen G20-Gipfeln häufiger die Rede sein werde.
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