Wiederannäherung der zwischen Türkei und Russland
Erdogan reist zu Putin

Nach mehrmonatiger Eiszeit schauen Russland und die Türkei wieder nach vorne. Ein Besuch von Erdogan bei Putin soll auch milliardenschwere Wirtschaftsprojekte ankurbeln.

Moskau/Köln. Russlands Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan wollen das zerrüttete Verhältnis bei einem Treffen am 9. August in St. Petersburg wieder festigen. "Es ist das erste Treffen seit dem Zusammenbruch unserer Beziehungen. Es wird also mehr als genug Themen geben", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstag in Moskau. Der türkische Vizeregierungschef Mehmet Simsek bestätigte während eines Besuchs in Moskau den Termin.

Die Türkei hatte Ende November 2015 ein russisches Militärflugzeug im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Putin hatte daraufhin ein für Dezember in St. Petersburg geplantes Treffen mit Erdogan abgesagt und umfangreiche Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei erlassen. Zuletzt hatte sich das bilaterale Verhältnis aber wieder deutlich entspannt.

Als Zeichen der Annäherung verhandelten die Vizeregierungschefs Simsek und Arkadi Dworkowitsch in Moskau über Initiativen, die von Russland nach dem Abschuss des Jets gestoppt worden waren. Es gehe insbesondere um das Projekt Turkish Stream zum Transit von russischem Erdgas durch das Schwarze Meer via Türkei nach Südeuropa, sagte Dworkowitsch. Zudem könne Moskau den Bau des Atomkraftwerks Akkuyu fortsetzen. Das Projekt hat ein Volumen von rund 20 Milliarden Dollar (etwa 18 Milliarden Euro).

Russland sei zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Türkei bereit, sagte Dworkowitsch. Die angeschlagenen Beziehungen müssten schrittweise wieder aufgebaut werden. Bis zur völligen Wiederaufnahme etwa des Charterflugverkehrs von Russland in die Türkei werde es aber noch dauern. Die russischen Sanktionen verursachten vor allem der kriselnden türkischen Urlaubsbranche Kopfschmerzen.

Union kritisiert Demo


Politiker von CDU und CSU kritisieren die für Sonntag geplante Demonstration Tausender Erdogan-Anhänger in Köln. "Türkische Innenpolitik hat auf deutschem Boden nichts zu suchen", sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer dem "Spiegel". "Wer sich in der türkischen Innenpolitik engagieren will, kann gerne unser Land verlassen und zurück in die Türkei gehen." Der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach brachte im "Spiegel" sogar ein Verbot ins Spiel.

Die Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) hat für Sonntag eine Kundgebung zum Thema "Militärputsch in der Türkei" angemeldet. Die Veranstalter rechnen laut Polizei mit bis zu 15 000 Teilnehmern. Die UETD unterstützt die Regierungspartei AKP von Erdogan
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