Wo steckt Putin?

Jeder Huster des Präsidenten Wladimir Putin wird von der russischen Öffentlichkeit mit Sorge registriert. Weil der 62-Jährige seit einigen Tagen abgetaucht zu sein scheint, schießen die Spekulationen ins Kraut. Archivbild: dpa

In der Machtzentrale Moskau häufen sich die Fragen danach, wo eigentlich der Kremlchef in Zeiten der schwersten Krise des Landes ist. Kein Auftritt fürs Fernsehen. Gerüchte um seine Gesundheit. Doch der Präsidentensprecher hat wie immer eine Antwort.

Putin im Gespräch mit Ministern. Putin auf Reisen. Putin als Garant für Stabilität. Auftritte des Staatschefs gehören eigentlich zum Tagesgeschäft für das russische Staatsfernsehen. Doch der 62 Jahre alte Präsident macht sich rar. Ausgerechnet in der schwersten Krise des Landes seit seiner Machtübernahme vor 15 Jahren häufen sich Fragen nach dem Verbleib des starken Mannes. Erst lässt er eine Reise nach Kasachstan absagen. Nun machen - wie immer in solchen Fällen - Gerüchte um Putins Gesundheit die Runde.

Nicht zum ersten Mal muss Kremlsprecher Dmitri Peskow Fragen besorgter Medien zum Befinden des mächtigsten Mannes in Russland beantworten. Aber selten muss Peskow das so oft tun wie diesmal. Ist Putin womöglich der wachsende internationale Druck auf Russland im Ukraine-Konflikt zu viel?

Entlocken lässt sich Peskow nur, dass die Lage wegen der Krise in Russland tatsächlich gespannt, Putins Kalender randvoll sei. Andauernd habe der Präsident Gespräche und Treffen mit Regierungsmitgliedern, Bossen von Staatskonzernen und Banken.

"Es ist alles in Ordnung", beteuert Peskow eisern. Putin gehe es gut. Der Händedruck des Präsidenten sei so fest, dass er jemandem die Knochen brechen könne. Der markige Spruch soll vor allem bei jenen sitzen, die Putin zuletzt eine kaum noch überschaubare Zahl schwerer oder sogar tödlicher Krankheiten andichteten.

Zweifel mit Tradition

Auf Fragen nach seinem möglichen politischen Ende antwortet der begeisterte Sportler Putin fast schon traditionell: "Warten Sie erst gar nicht darauf!" Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Spekulationen ins Kraut schießen, sobald Putin mal nicht in den täglichen Abendnachrichten im Fernsehen zu sehen ist. 2012 gab es wochenlang Gerüchte um ein schweres Rückenleiden des begeisterten Judoka mit dem Schwarzen Gürtel.

Allerdings sitzen Zweifel an den offiziellen Worten des Kreml traditionell tief. Groß ist das Misstrauen aus Sowjetzeiten, als das Politbüro etwa den Zustand von Kremlchef Leonid Breschnew wie ein Staatsgeheimnis hütete. Daran hat sich auch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nichts geändert.

Die oft ungelenken Auftritte von Putins Amtsvorgänger Boris Jelzin in den 90ern wurden lange der Wirkung von Medikamenten und nicht dem Alkoholrausch zugeschrieben. Die Frage nach der Gesundheit des Präsidenten ist stets eine von nationalem Interesse - besonders in Russland, wo alle wichtigen Entscheidungen von einem einzigen Mann getroffen würden, wie Politologen betonen. Eine Krankheit des Präsidenten träfe die Gesellschaft bis ins Mark.

Doch außerhalb des politischen Betriebs hielten sich die Sorgen um Putin bei den Russen in Grenzen. Wer dennoch die Gerüchteküche um ein paar Zutaten bereichern wollte, meinte etwa, dass sich der oft für seine ungewöhnlich glatte Gesichtshaut bewunderte Präsident vielleicht nur einer Schönheitskur unterziehe. Zudem hatte der geschiedene Präsident unlängst eingeräumt, es gebe eine neue Liebe in seinem Leben. Die auffällige Abwesenheit Putins fiel auch mit den freien Tagen um den Internationalen Frauentag am 8. März zusammen. Es ist die Zeit, in der Russinnen von ihren Männern ein besonderes Verwöhnprogramm erwarten.

"Informationskrieg" tobt

Allerdings betont Kremlsprecher Peskow auch, dass Putin hart arbeite in Krisenzeiten. Dass die Gerüchteküche brodelt, schiebt er auch auf die Jahreszeit. "Immer, wenn im Frühling die Sonne herauskommt, wenn es anfängt, nach Frühjahr zu riechen, fängt eine solche Zuspitzung an", meint er. Peskow beklagt insgesamt einen "Informationskrieg" des Westens gegen Russland. In Zeiten einer solchen Hysterie sei es kaum möglich, etwas für ein besseres Image des Landes zu tun.
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