ZdK hält AfD für religionsfeindlich
Kein Podium für AfD

Die AfD grenzt aus, sie will spalten statt zu integrieren. ... Auf diese Vereinfacher fallen wir nicht herein.

Beim 100. Deutschen Katholikentag wollen die Veranstalter der AfD kein Podium geben. ZdK-Präsident Sternberg verteidigt diese Haltung. Seiner Ansicht nach greift die Partei nicht nur den Islam, sondern auch das Christentum an.

Leipzig. (epd/KNA/dpa) Die religionspolitische Programmatik der AfD greift nach Ansicht des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) auch die Christen im Land an. Durch die entsprechenden Stellen im Grundsatzprogramm der Partei fühlten sich die Katholiken "ebenso bedroht" wie islamische Glaubensgemeinschaften, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Dienstag vor der Vollversammlung der Laienorganisation in Leipzig. Die AfD lege die "Axt an die Wurzel" einer religionsfreundlichen Ordnung. So lehne die AfD etwa das Tragen des Kopftuches aus religiösen Gründen ab. Die gleichen Ansichten könnten zum Beispiel auch bei einem Ordensgewand vorgebracht werden, warnte Sternberg. Wer zudem den islamischen Religionsunterricht ablehne, entziehe auch dem christlichen seine Legitimationsbasis.

"Extrem feindlich"


Die katholische Laienorganisation hatte schon 2015 beschlossen, Vertreter der AfD nicht zu Podiumsdiskussionen auf dem Katholikentag in Leipzig einzuladen, der an diesem Mittwoch beginnt. Dafür ernteten die Verantwortlichen auch Kritik. Sternberg verteidigte indes erneut die Haltung der Verantwortlichen. Die AfD sei eine Partei der "Vereinfacher", deren Köpfe zu den aktuellen Problemen nichts Konstruktives beizutragen hätten und sich zudem häufig "extrem feindlich" äußerten. Dies bedeute nicht, dass nicht auf anderer Ebene das Gespräch mit Parteimitgliedern gesucht werde.

"Auf dem Katholikentag haben menschenverachtende Positionen keinen Platz", betonte Sternberg in einem Streitgespräch mit dem stellvertretenden AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland in der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt". Gauland wies die Kritik an der AfD zurück und sagte: "Ausgrenzungen haben uns immer nur stärker gemacht." Gauland erklärte, die AfD beziehe sich zwar auf die christliche Tradition, sei aber "keine christliche Partei".

Prominente deutsche Muslime wenden sich mit einem bundesweiten Aufruf gegen die AfD. Wer wie die rechtspopulistische Partei den Islam zum "Fremdkörper" in Deutschland erkläre, der richte sich gegen die Verfassung eines offenen und toleranten Landes, heißt es in der Erklärung, die als "Offener Brief" an die Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien gerichtet ist. Initiatoren der Aktion sind der Frankfurter Islamforscher Bekim Agai, Direktor des Zentrums für islamische Studien an der Goethe-Universität und der Berliner Anwalt Murat Kayman.

"Diskussion versachlichen"


Das ZdK rief zu einer Versachlichung in der Diskussion über den Islam auf. Pauschale Verallgemeinerungen seien "brandgefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt", sagte Sternberg auf der Vollversammlung des höchsten Gremiums der katholischen Laien in Deutschland. Das ZdK veröffentlichte eine Erklärung des Gesprächskreises Christen und Muslime. Das Papier hält fest: "Als Christen und Muslime verurteilen wir jedweden Fundamentalismus, Radikalismus, Fanatismus und Terrorismus, seien sie religiös oder anders begründet." Zugleich warnt die Erklärung davor, dass Islamfeindlichkeit alltäglich werde. "Sie ist ebenso unchristlich wie Judenfeindlichkeit." Dem müsse man Aufklärung und Begegnungen entgegensetzen.
Die AfD grenzt aus, sie will spalten statt zu integrieren. ... Auf diese Vereinfacher fallen wir nicht herein.Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
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