Zehntausende neue Gewehre für die Bundeswehr
G36 wird abgeschafft

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mustert das Standardgewehr G36 aus und beschafft Zehntausende neue Gewehre für die Bundeswehr. "Wir haben uns im Einvernehmen mit der militärischen Führung für einen klaren Schnitt entschieden", erklärte die CDU-Politikerin am Dienstag. "Nach fast 20 Jahren G36 wollen wir eine neue Generation Sturmgewehr für die Bundeswehr beschaffen." Der Auftrag soll europaweit ausgeschrieben werden. Der baden-württembergische G36-Hersteller Heckler & Koch begrüßte die Entscheidung des Ministeriums und kündigte ein Angebot für ein neues Gewehr an.

Lieferung erst 2019

Die Ministerin hatte bereits Anfang April erklärt, dass das G63 wegen Präzisionsproblemen keine Zukunft in der Bundeswehr hat. Offen war aber noch, ob die 167 000 Waffen ausgemustert oder nachgerüstet werden. Im Verteidigungsministerium wird nun erwartet, dass die ersten Exemplare nicht vor 2019 ausgeliefert werden. Für die Übergangsphase bis zur Einführung der neuen Waffen sollen 600 Sturmgewehre anderen Typs (G27P) und 600 leichte Maschinengewehre (MG4) angeschafft werden. Auch diese Gewehre stammen von Heckler & Koch.

Kritik: "Vetternwirtschaft"

Von der Leyen betonte am Dienstag, dass es ein "offenes und transparentes Ausschreibungsverfahren" geben werde. Die Opposition hat keine wesentlichen Einwände gegen die Ausmusterung des G36, forderte aber Maßnahmen gegen "Vetternwirtschaft". Sowohl Grüne als auch Linke werfen dem Ministerium vor, mit Heckler & Koch gekungelt zu haben. Der Waffenhersteller wehrt sich unterdessen vor Gericht gegen den Vorwurf, das G36 sei mangelhaft.

Wie viele neue Gewehre angeschafft werden, ist ebenso unklar wie die Kosten. Für das G36 wurden insgesamt 182 Millionen Euro ausgegeben. Was mit den ausgemusterten Waffen passiert, ist ebenfalls noch völlig offen. (Kommentar)
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