Zehntausende Staatsbedienstete in der Türkei festgenommen
„Zeit der Säuberung“

Istanbul/Amberg. (dpa/upl) Nach dem Putschversuch in der Türkei hat die Führung des Landes inzwischen mehr als 10 000 Menschen festnehmen lassen. Unter dem Ausnahmezustand verschärfte sie nun auch die Ausreisekontrollen. Bei der Passkontrolle an den Flughäfen müssten türkische Staatsbürger einen Nachweis ihrer Tätigkeit erbringen, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen in Ankara. Damit solle die Flucht von Menschen mit Verbindungen zum Putschversuch verhindert werden.

An Flughäfen müssen Staatsbedienstete nach Angaben aus Regierungskreisen nun eine Bescheinigung ihrer Behörde vorlegen, in der ausdrücklich steht, dass ihrer Ausreise nichts im Wege steht. Das gilt auch für ihre Ehepartner und Kinder. Andere Beschäftigte müssen nachweisen, dass sie im Privatsektor tätig sind. Die Regierung vermutet, dass zahlreiche Behörden von Anhängern Gülens unterwandert sind. Allen Staatsbediensteten wurde der Urlaub gestrichen.

Bei den andauernden Razzien wurden 10 410 Verdächtige festgenommen, wie Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in der Nacht zum Freitag sagte. 4060 von ihnen seien in Untersuchungshaft. Anadolu berichtete, mehr als 44 500 Staatsbedienstete seien vom Dienst suspendiert worden. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte: "Es ist nun die Zeit der Säuberung." Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn zeigten sich besorgt. In einer Erklärung verlangten sie, dass die türkische Regierung unter allen Umständen die Rechtsstaatlichkeit, die Menschenrechte und die Grundfreiheiten bewahren müsse.

Die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden hat unterdessen Pläne, einen Kooperationspartner in der Türkei zu suchen, zurückgestellt. "Wir befinden uns bei dem Projekt erst ganz am Anfang", erklärte Sprecherin Sonja Wiesel am Freitag, nachdem es in einer Rundfunkmeldung heißen hatte, die OTH habe eine für nächste Woche geplante Unterzeichnung eines entsprechenden Partnerschaftsvertrages kurzfristig abgesagt. "Dem ist nicht so", stellte Wiesel klar. Die OTH unterhält derzeit Kontakte zu 54 Hochschulen in 27 Staaten, größtenteils in Europa. Schon seit geraumer Zeit sei es Ziel der Oberpfälzer Hochschule, auch eine Partner-Einrichtung in dem Land am Bosporus zu finden. Aufgrund der aktuellen politischen Verwerfungen in der Türkei wolle die OTH aber zunächst die weitere Entwicklung abwarten, bevor konkrete Schritte eingeleitet werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.