Zu viel heiße Luft

Bis 2020 soll nach dem Willen der Bundesregierung der Ausstoß klimaschädlichen Kohlendioxids in Deutschland um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 sinken. Wissenschaftler sehen diese Ziele gefährdet - ausgerechnet vor dem UN-Klimagipfel.

Kurz vor dem Welt- klimagipfel sehen Experten die nationalen Klimaschutzziele der Bundesregierung "erheblich" in Gefahr. Der Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) könne bis 2020 nicht im geplanten Umfang begrenzt werden, wenn nicht weit mehr unternommen werde. Das geht aus einem Bericht einer Expertenkommission zum Stand der Energiewende von Mittwoch hervor.

Mangelhafte Maßnahmen

"Festzustellen ist, dass das zentrale Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, erheblich gefährdet ist", schreiben die Wissenschaftler in ihrer Stellungnahme zum Monitoring-Bericht der Bundesregierung, mit dem sich das Kabinett am Mittwoch befasst hat. Zwar habe die Koalition Maßnahmen beschlossen. Doch diese dürften "angesichts der Dimen- sion der zur Zielerreichung noch notwendigen Reduktion und der verbleibenden Zeit bis 2020" nicht ausreichen, schreiben die Regierungsberater. Die CO2-Emissionen dürften unter Berücksichtigung des Temperatureinflusses 2014 lediglich um 1,7 Prozent und nicht um 4,3 Prozent niedriger gewesen sein als 2013.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach dennoch von "guten Fortschritten" bei der Energiewende, forderte aber angesichts der noch bestehenden Defizite, "das Gesamtsystem" weiter zu optimieren. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter erklärte: "Die Wissenschaftler halten der Kohle-Kanzlerin Merkel den Spiegel vor." Dies sei ein fatales Signal wenige Tage vor der Weltklimakonferenz.

UN-Klimachefin Christiana Figueres hat unterdessen die Politik generell zu entschlossenem Handeln aufgerufen. "Die Wissenschaft gibt uns den Weg vor: Wir müssen unter zwei Grad", sagte sie am Mittwoch in Bonn. Damit die Folgen des Klimawandels einigermaßen erträglich bleiben, darf die Temperatur nach Einschätzung von Wissenschaftlern um nicht mehr als zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen. Um dies sicherzustellen, sollen 196 Staaten vom 30. November bis zum 11. Dezember in Paris das bisher umfassendste Klimaschutzabkommen abschließen.

Obama optimistisch

Allen Unkenrufen zum Trotz sieht US-Präsident Barack Obama gute Chancen für ein erfolgreiches weltweites Abkommen zum Klimaschutz. "Ich bin optimistisch, dass wir ein Ergebnis erzielen, auf das wir alle stolz sind - wir wissen ja schließlich, um was es geht", sagte Obama am Mittwoch beim Apec-Gipfeltreffen der Pazifikanrainerstaaten in der philippinischen Hauptstadt Manila.

Dort tagen noch bis heute Regierungsspitzen aus 21 Ländern der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft. "Die Temperaturen steigen, die Eisdecken schmelzen, die Stürme werden stärker", sagte Obama vor mehreren Hundert Unternehmern aus der Apec-Region.
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