Zu viele Tränen

Beim traditionellen Weihnachtssegen "Urbi et Orbi" von der Mittelloggia des Petersdoms am Donnerstag wurde Papst Franziskus (links) vom Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation, dem deutschen Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller (rechts) begleitet. Die Einladung zu dieser Zeremonie gilt als ein Zeichen besonderer Wertschätzung. Bild: AFP

Lange war die Welt nicht so unfriedlich wie in diesem Jahr. Daran erinnern Papst Franziskus und andere Kirchenvertreter an Weihnacht. Gleichzeitig fordern sie Solidarität mit den Menschen, die vor Kriegen und Konflikten fliehen.

(KNA/dpa) Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsansprache Gewalt und Hass im Nahen Osten, in Afrika und in der Ukraine angeprangert. "Den Retter der Welt bitte ich, dass er auf unsere Brüder und Schwestern im Irak und in Syrien schaue", sagte er am Donnerstag vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom.

"Der Herr möge dem ganzen Nahen Osten Frieden schenken, indem er die Anstrengungen derer unterstütze, die sich tatkräftig für den Dialog zwischen Israelis und Palästinenser einsetzen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Besonders bewegt zeigte sich Franziskus vom Schicksal vieler Kinder. "Zu viele von ihnen sind Opfer von Gewalt geworden, weil sie zum Gegenstand von Ausbeutung und Menschenhandel gemacht oder als Soldaten verdingt wurden - Kinder, so viele missbrauchte Kinder!" Zu Weihnachten gebe es diesmal "viele Tränen, zusammen mit den Tränen des Jesuskindes", sagte der Papst. Anschließend spendete er den traditionellen Segen "Urbi et Orbi".

Die Weihnachtsfeier im palästinensischen Bethlehem, wo am Heiligen Abend Zehntausende Christen aus aller Welt der Geburt von Jesus Christus gedachten, war ebenfalls vom Nahost-Konflikt bestimmt. Der lateinische Patriarch Fuad Twal forderte den Wiederaufbau des Gazastreifens und die Verbesserung der Lebensbedingungen. Der dritte Krieg in Gaza habe "den Hass und das Misstrauen zwischen den beiden Völkern vertieft und eine Spirale der Gewalt und der Repressalien gebracht".

Papst Franziskus sagte in der Christmette am Heiligen Abend: "Wie sehr braucht doch die Welt von heute Zärtlichkeit! - Geduld Gottes, Nähe Gottes, Zärtlichkeit Gottes." Vor der Christmette hatte Franziskus ein Flüchtlingslager für verfolgte Christen im Nordirak angerufen, um den Menschen dort Mut zu machen.

Die Not von Flüchtlingen bestimmte auch viele Weihnachtsgottesdienste in Deutschland. In ihren Predigten riefen die Bischöfe zu Solidarität mit den Menschen in Not auf. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, wer nur "halbwegs menschlich empfinde", könne nicht an der Seite stehen, wenn über 50 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht seien. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, warnte davor, das Leid der Flüchtlinge aufzurechnen.
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