Zündeln am Pulverfass

Israelische Soldaten bringen einen verwundeten Kameraden in Sicherheit. Bei einem Angriff auf ein israelisches Militärfahrzeug sind zwei Soldaten getötet und sieben verletzt worden. Bei Vergeltungsschlägen der Armee starb im Südlibanon ein Blauhelmsoldat. Bild: dpa

Bei Kämpfen an der Grenze zwischen Israel und Libanon sterben drei Menschen, mindestens sieben werden verletzt. Israelische Politiker beschwören die Stärke ihrer Armee. Droht nun ein neuer Krieg in Nahost?

Bei den schwersten Gefechten an Israels Grenze zum Libanon seit fast einem Jahrzehnt sind am Mittwoch drei Menschen getötet worden. Ein spanischer Blauhelm-Soldat starb bei israelischen Angriffen auf den Südlibanon. Israels Armee reagierte mit dem Beschuss auf den Tod zweier Soldaten. Ihr Fahrzeug wurde von einer Panzerabwehrrakete der Hisbollah-Miliz getroffen. Sieben Soldaten erlitten Verletzungen. Mitglieder der israelischen Regierung und Opposition forderten einen harten Gegenschlag. Als Reaktion auf den Beschuss des Fahrzeugs feuerte Israel Dutzende Geschosse auf den Süden Libanons. Militante Libanesen hätten auch israelische Militärstützpunkte nahe Har Dov und Hermon auf den Golanhöhen mit Mörserfeuer belegt, sagte Israels Militärsprecher Peter Lerner. Israel reagierte wiederum mit Luftangriffen auf den Südlibanon.

Die Sonderkoordinatorin der Vereinten Nationen, Sigrid Kaag, äußerte sich besorgt über die Lage im Grenzgebiet. Sie forderte alle Parteien zur Zurückhaltung auf. Der israelische Rundfunk sprach von den schlimmsten Gefechten seit dem Zweiten Libanon-Krieg im Jahr 2006. Anwohner wurden aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben.

Die libanesische Hisbollah-Miliz teilte mit, es handele sich um Vergeltung für einen Luftangriff auf den syrischen Golanhöhen am 18. Januar. Bei dem Angriff, der Israel zugeschrieben wird, waren ein iranischer General und mindestens sechs Hisbollah-Kämpfer getötet worden. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte am Mittwoch "jeden, der uns an der Nordgrenze herausfordern will". Die israelische Armee sei darauf vorbereitet, "an allen Fronten mit aller Macht vorzugehen", sagte Netanjahu. Außenminister Avigdor Lieberman forderte bei einem Besuch in Peking, Israel müsse "auf Raketenangriffe auf unser Gebiet auf sehr harte und nicht proportionale Weise reagieren, so wie es China oder die USA in einer ähnlichen Situation tun würden".

Suche nach Tunneln

Die israelische Armee begann unterdessen damit, das Grenzgebiet zum Libanon nach möglichen versteckten Tunneln abzusuchen. Israelische Medien berichteten am Mittwoch, die Armee stelle Bohrungen nahe des Ortes Zarit an. Israelischen Medien zufolge hatten Anwohner des Grenzortes in den vergangenen Monaten verdächtige Geräusche gemeldet. (Kommentar)
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