Zulauf zu den Unis lässt Azubi-Zahlen drastisch schrumpfen
Volle Hörsäle, leere Werkbänke

Dass es immer mehr junge Menschen nach der Schule an die Uni zieht, ist ein unumkehrbarer Trend, glauben Experten. Das spüren Industrie und Handwerk: Es fehlt an Lehrlingen. Archivbild: dpa
Der Trend zum Hochschulstudium wird die Zahl der Auszubildenden einer Studie zufolge in Zukunft drastisch schrumpfen lassen. Sofern sich der Zulauf an die Universitäten und Fachhochschulen weiter fortsetze, müssen die Betriebe in Deutschland in 15 Jahren mit rund 80 000 Lehrlingen weniger als heute auskommen. Das rechnet die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie vor. Das entspricht einem Rückgang um 17 Prozent auf dann nur noch 410 000 junge Menschen, die eine betriebliche Ausbildung anfangen. Verschärft wird die Lücke zwischen Akademikern und beruflich Qualifizierten durch den demografischen Wandel: Der lässt die Anfängerzahlen in allen Bereichen der nachschulischen Bildung sinken. Wachstumschancen sehen die Experten vor allem für Fachhochschulen und praxisnahe Studiengänge. Denn trotz Strebens nach höheren Bildungsabschlüssen lasse sich ein Trend zum Praxisbezug feststellen.

Im Streit über die Wertschätzung für Hochschulstudium und berufliche Ausbildung in Deutschland legt einer der Wortführer, der Münchener Philosoph Julian Nida-Rümelin, jetzt noch einmal nach. "Es ist einfach ein Irrtum, zu meinen, dass der Hauptbedarf auf dem Arbeitsmarkt im Bereich der akademisch Gebildeten liegt", sagte Nida-Rümelin der dpa. So finde in Fächern wie Jura "ein Drittel der Absolventen keine adäquate Beschäftigung". Auch Biologen und Geografen hätten große Probleme bei der Jobsuche. Auf der anderen Seite hätten "Meister und Techniker das niedrigste Risiko überhaupt, arbeitslos zu werden", so Nida-Rümelin. Zudem sei bei den Verdienstmöglichkeiten die Spreizung zwischen akademischen Berufen enorm.
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