Zusammenhang zur Fußball-EM?
Belgien: Festnahmen bei Anti-Terror-Einsatz

Nach wie vor gilt in Belgien die zweithöchste Terrorwarnstufe. Bild: dpa

Bei nächtlichen Anti-Terror-Razzien haben Sicherheitskräfte in Belgien etliche Verdächtige festgenommen. Einen Zusammenhang mit der Fußball-EM bestätigen die Behörden nicht. Der Premier ruft zur Ruhe auf.

Brüssel. Rund drei Monate nach den verheerenden Anschlägen am Brüsseler Flughafen sowie in einer Metrostation in der Innenstadt sind Sicherheitskräfte in ganz Belgien gegen Terror-Verdächtige vorgegangen. 12 Personen wurden in der Nacht auf Samstag bei Razzien festgenommen. Drei von ihnen im Alter von 27, 29 und 40 Jahren kamen wegen des Vorwurfs des versuchten "terroristischen" Mordes in Haft, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die anderen seien nach Verhören freigelassen worden. Ermittlungsergebnisse hätten ein "unmittelbares Einschreiten" erfordert, sagte ein Behörden-Sprecher. Nähere Hintergründe gab er nicht bekannt. Waffen oder Sprengstoff seien bei den Razzien nicht gefunden worden. Unbestätigten Medienberichten zufolge stand auch ein Fußball-Fan-Areal in Brüssel im Fokus.

Mit Attentätern verwandt?


Medienberichten zufolge sind zwei der drei in Haft genommenen Verdächtigen mit den Selbstmordattentätern von Brüssel verwandt. Bei einem von ihnen handele es sich um einen Cousin von Ibrahim und Khalid El Bakraoui, berichteten der Sender VRT und die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Justizkreise. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Bei dem Großeinsatz in der Nacht auf Samstag durchsuchten Sicherheitskräfte 152 Garagen und Dutzende Häuser in 16 Gemeinden. Darunter war unter anderem der als Islamisten-Hochburg bekannte Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

Der nationale Sicherheitsrat entschied, die Terrorwarnstufe im Land unverändert auf der zweithöchsten Stufe zu belassen. Die Terrorwarnstufe 3 (von insgesamt 4) bedeutet, dass eine Terrorattacke möglich und wahrscheinlich ist. Für öffentliche Veranstaltungen sollten in den kommenden Tagen jedoch die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden. Im Laufe der vergangenen Woche war die Anspannung in Belgien gestiegen. Mehrere Zeitungen hatten berichtet, dass Dschihadisten Syrien verlassen hätten, um in Belgien und Frankreich Attentate zu verüben. Dafür gab es keine offizielle Bestätigung. Aufgrund der Berichte erwägt die belgische Regierung nun anscheinend, härter gegen Informanten und undichte Stellen bei Anti-Terror-Einsätzen vorzugehen. Über schärfere Strafen sei während einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats am Wochenende diskutiert worden, berichteten belgische Medien.

Information vom IS?


Nach Einschätzung des Terrorexperten Rolf Tophoven zeigten diese Anti-Terror-Aktionen, dass es wohl noch weitere Mitwisser und Operateure rund um die Anschläge von Paris und Brüssel gebe. Es sei aber auch möglich, dass die Terrormiliz IS selbst Informationen streue, dass sich Kämpfer Richtung Belgien und Frankreich aufgemacht hätten - "als psychologische Kriegsführung, die mit Angst und Schrecken operiert".
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