Zwei Jahre vor der Bundestagswahl: Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig schlägt ...
Angela Merkel als bessere SPD-Kanzlerin

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) mag Angela Merkel (CDU). Er schlägt vor seiner Partei vor, keinen eigenen Kanzlerkandidaten aufzustellen - ein Spitzenkandidat würde reichen. Bild: dpa
Nun ist es also soweit. Die SPD zieht mit Angela Merkel in den Wahlkampf. Die Kanzlerin im roten Jackett, die Hände wie üblich zur Merkel'schen Raute geformt, dazu der Spruch "2017 Merkel wählen" und "Das SIE entscheidet". Darüber das SPD-Logo - und fertig ist das Wahlplakat der Sozialdemokraten. Vorerst ist das Poster das Werk eines Satiremagazins. Aber es scheint, als wünschte sich mancher Sozialdemokrat tatsächlich ein Wahlkampf-Zugpferd wie Merkel für seine Partei.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) gerät regelrecht ins Schwärmen über die CDU-Chefin. "Sie macht das ganz ausgezeichnet", sagte er am Donnerstag in einem Interview. Die Umfragewerte seiner Partei dagegen sorgen bei Albig nicht gerade für Euphorie. Rund 25 Prozent für die SPD, während sich die Union oberhalb der 40 Prozent eingerichtet hat. Albigs Rat: die Ambitionen runterschrauben. "Ich glaube, es ist schwer, gegen diese Bundeskanzlerin eine Wahl zu gewinnen." Daher solle die SPD als Wahlziel lieber nicht mehr ausgeben, die Regierung anzuführen, sondern nur eine Regierungsbeteiligung zu erreichen. Und auch den Terminus des Kanzlerkandidaten möge die Partei noch mal überdenken. Vielleicht eigne sich der Begriff Spitzenkandidat besser.

Die SPD wäre nicht die SPD, wenn auf diese Ansage nicht jede Menge aufgeregte Kommentare folgen würden. Die Partei neigt zur Beschäftigung mit sich selbst. Einige Genossen stöhnen regelmäßig darüber und schielen eifersüchtig auf die Disziplin der Union, in der interne Auseinandersetzungen eher selten öffentlich ausgetragen werden. SPD-Bundesvize Ralf Stegner - Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein - widerspricht Albig an vorderster Front. "Wir müssen natürlich immer den Anspruch haben, die Regierung zu führen", sagt er. Ja, die Kanzlerin sei populär und schwer zu schlagen. "Aber es kann ja nicht unser Ziel sein, mit den Grünen darum zu wetteifern, wer der nächste Juniorpartner der Union wird." SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi nennt Albigs Gedanken "völlig abwegig". Auch von anderen Genossen kommt jede Menge Widerspruch - oder der Verweis, Albig sei für seine "unkonventionellen Äußerungen" bekannt. Die politische Konkurrenz geizt ohnehin nicht mit Spott über die neueste Darbietung der SPD.

Die SPD tut sich in der Tat mehr als schwer damit, aus ihrer Umfrage-Starre herauszukommen. Die Sozialdemokraten haben in der Großen Koalition einiges durchgesetzt, ein Projekt nach dem anderen auf den Weg gebracht - und trotzdem rühren sie sich in Umfragen nicht vom Fleck. Merkels CDU dagegen hält sich unverwüstlich oberhalb der 40-Prozent-Marke. Das treibt auch SPD-Chef Sigmar Gabriel um. Er steht vor der unangenehmen Frage, ob er 2017 selbst in das wohl wenig aussichtsreiche Rennen gegen Merkel gehen soll. Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück haben sich schon eine blutige Nase geholt. Gabriel selbst schweigt zu all dem. Er hat sich passenderweise erst mal in den Urlaub verabschiedet.
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