Zweite Revolution

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Beim Amerika-Gipfel in Panama wird Geschichte geschrieben. Obama und Kubas Staatschef Castro sollen sich die Hand reichen. Telefoniert haben sie bereits miteinander. Angeblich wollen die USA das sozialistische Kuba auch von der Terrorliste streichen.

Erstmals seit mehr als 50 Jahren sind hochrangige Regierungsmitglieder der einstigen "Erbfeinde" USA und Kuba zusammengetroffen. US-Außenminister John Kerry und sein kubanischer Kollege Bruno Rodríguez sprachen vor dem Amerika-Gipfel in Panama-Stadt miteinander. Ein ranghoher Beamter des State Departments sagte, es habe sich um eine "längere und sehr konstruktive Diskussion" gehandelt. Man bleibe weiter im Gespräch, "um ausstehende Themen zu lösen", hieß es ohne weitere Angaben. US-Medien berichteten, das Treffen am Donnerstagabend (Ortszeit) in einem Hotel der Stadt habe rund zwei Stunden gedauert.

Ein weiterer historischer Schritt der Annäherung wird auf dem in der Nacht zum Samstag gestarteten Gipfel erwartet: Als Symbol des Neustarts wollen US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro zu einem ersten direkten Gespräch zusammenkommen. Das kündigte der Obama-Vertraute Ben Rhodes am Freitag in Panama an. "Wir haben zwar keine formelles Treffen zu einer bestimmten Zeit geplant, aber wir erwarten, dass sie morgen eine Diskussion haben werden." Es wäre das erste echte direkte Treffen zwischen den Präsidenten beider Länder seit über 50 Jahren.

Historische Teilnahme

Bereits bei der Gipfeleröffnung am Freitagabend (Ortszeit) dürften sich Obama und Castro kurz begegnen, fügte Rhodes hinzu. Allein die erstmalige Anwesenheit des sozialistischen Kubas bei einem Amerika-Gipfel sei ein historisches Ereignis, sagte Rhodes. Obama und Castro hatten im Dezember ein Ende der 50-jährigen Eiszeit eingeleitet. Allerdings deutete Rhodes an, dass eine Entscheidung Washingtons, Kuba von der USA-Terrorliste zu streichen, noch ausstehe. "Wir sind noch nicht so weit." Obama und Castro telefonierten vor dem Treffen. Das teilte das Weiße Haus am Freitag mit. Das Gespräch habe bereits am Mittwoch stattgefunden. Details wurden nicht genannt. Bei der Beerdigung des südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela Ende 2013 hatten sich Obama und Castro kurz die Hand geschüttelt.

Runter von der Liste?

Nach Angaben des demokratischen US-Senators Ben Cardin wollen die USA Kuba von der Liste der Terrorstaaten streichen. Eine entsprechende Empfehlung habe das State Department nach monatelanger Prüfung gegeben. Dies wäre ein wichtiger Schritt für die weitere Annäherung beider Länder, sagte Cardin. In Panama wird spekuliert, dass die USA ihre Entscheidung bereits auf dem Gipfel verkünden könnten. Obama hatte allerdings erklärt, noch gebe es keine Entscheidung.

Nach der sozialistischen Revolution in Kuba 1959 und der anschließenden Enteignung amerikanischer Unternehmen waren sich Havanna und Washington über Jahrzehnte spinnefeind. US-Geheimdienste versuchten mehrfach den Revolutionsführer Fidel Castro zu ermorden und steckten auch hinter einem Invasionsversuch 1961. Zudem verhängten die USA ein Wirtschafts- und Handelsembargo. Doch Revolutionsführer Fidel Castro hielt sich an der Macht, erst 2006 übergab der heute 88-Jährige die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl (83). Fidel Castro ist schwer krank und kommt nicht nach Panama. Kuba nimmt zum ersten Mal an einem Amerika-Gipfel teil, der von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) organisiert wird. Erstmals sind alle 35 Staaten aus Nord-, Mittel- und Südamerika geladen.
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