Zweites TV-Duell im US-Wahlkampf
Harte Bandagen

Hillary Clinton und Donald Trump schenken sich nichts. Im zweiten TV-Duell um das Weiße Haus droht ihr der wegen einer Affäre um sexistische Äußerungen in Bedrängnis geratene Trump sogar mit Gefängnis.

St. Louis. Im zweiten TV-Duell haben sich die beiden Präsidentschaftskandidaten Donald Trump (70) und Hillary Clinton (68) eine erbitterte Auseinandersetzung voller persönlicher Angriffe geliefert. Der Republikaner Trump, zuletzt wegen eines Videos mit sexistischen Äußerungen aus dem Jahr 2005 in die Defensive geraten, forderte sogar eine Haftstrafe für seine Gegnerin wegen ihrer E-Mail-Affäre. Die Demokratin Clinton bezichtigte Trump ihrerseits mehrmals, falsche Angaben zu machen. "Er lebt in einer parallelen Realität", sagte sie. Einer Blitzumfrage des Senders CNN zufolge hat Clinton die zweite von drei Debatten mit 57 Prozent gewonnen. Trump kam auf 34 Prozent. Die Demokratin schnitt damit fünf Prozentpunkte schlechter ab als im ersten Duell.

"Wichtigere Dinge"


Um das am Freitag aufgetauchte Video ging es gleich in der ersten Frage aus dem Publikum. Trump zeigte sich reuig, stritt allerdings ab, sexuelle Übergriffe begangen oder mit solchen angegeben zu haben. In dem Video ist unter anderem zu hören, wie Trump erklärt, als "Star" könne er sich Frauen gegenüber alles erlauben, auch den Griff an ihre Geschlechtsteile. Er hatte sich dafür entschuldigt. Dann erklärte er, es gebe viel wichtigere Dinge, wie etwa den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Seine Äußerungen bezeichnete er als "Umkleidekabinen-Gespräche". Clinton sagte hingegen, sie seien bezeichnend für Trumps Persönlichkeit. Trump war bereits kurz vor dem Duell überraschend vor die Medien getreten - mit vier Frauen an seiner Seite, von denen drei den Ehemann der Demokratin und Ex-Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe beschuldigen. Die vierte war 1975 als Zwölfjährige nach eigenen Angaben vergewaltigt worden. Hillary Clinton hatte als Anwältin den mutmaßlichen Täter vertreten. Trump sagte, Bill Clinton habe sich viel schlimmer verhalten als er. Bei ihm gehe es nur um Worte, bei Clinton um Taten.

Platz für jeden


In der Diskussion um die Behandlung von Muslimen in den USA forderte Clinton in der Debatte mehr Toleranz. "Meine Vision von Amerika ist ein Amerika, in dem jeder einen Platz hat." Trump bekräftigte dagegen, dass Muslime vor der Einreise in die USA "extrem" überprüft werden müssten.

Trump gab zu, im Anschluss an einen Verlust in Höhe von 916 Millionen Dollar über Jahre Schlupflöcher genutzt zu haben, um keine Einkommensteuer auf Bundesebene zahlen zu müssen. Hillary Clinton habe dies als Senatorin in New York selbst ermöglicht. "Die Leute, die ihr all das Geld geben, wollen das so", sagte der Milliardär mit Blick auf Clintons reiche Wahlkampfspender.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.