Zwischen einem und zwei Euro pro Übernachtung - Neue linke Regierung bringt Urlaubsinsel in ...
Öko-Taxe für Urlauber auf Mallorca

Mallorca-Hotelier Sebastián Darder lehnt die geplante Öko-Steuer ab. Bild: dpa
Als auf Mallorca die Befürchtung der Restaurant-Besitzer, Hoteliers und Reiseveranstalter Gewissheit wurde, schlug manch einer verärgert auf den Tisch. Touristen sollen künftig eine Öko-Abgabe zahlen. Das könnte Urlauber abschrecken. Am Ballermann hatte sich die Botschaft noch nicht rumgesprochen. "Eine Urlaubssteuer wird hier eingeführt? Quatsch, wer sagt das denn?", fragt Rentner Helmut (68) aus Gelsenkirchen überrascht. Wer das sagt? Die Sozialistin Francina Armengol, die heute als erster weiblicher Regierungschef der Ferieninseln den Amtseid ablegen soll.

Nach den Wahlen im Mai, bei denen die konservative Regierung nach vielen Korruptionsaffären abgewählt worden war, hatte es geheißen, die Sozialisten (PSIB) stünden einer Touristenabgabe skeptisch gegenüber. Doch am Ende mussten sie der Forderung der Öko-Regionalisten der Més und der linken Protestpartei Podemos nachgeben, die die Regierung mittragen bzw. "tolerieren". "Die Einführung der "Ecotasa" (Ökosteuer) ist kein Anspruch, sondern eine Pflicht", sagte Armengol (43) am Montag im Regionalparlament. Noch steht nicht fest, wie hoch die Abgabe sein soll - es ist von einem bis zwei Euro pro Tourist und Nacht die Rede.

"Schnell hundert Euro"

Die Gegner der Pläne schnauben aber vor Wut. "Eine Ecotasa ist Unsinn", sagt Sebastián Darder, Chef des Hotelierverbandes von Palmanova/Magaluf. Bei einer fünfköpfigen Familie kämen da schnell hundert Euro zusammen. "Wenn die Abgabe aber erhoben wird, hoffen wir, dass die Einnahmen nicht etwa für soziale Zwecke wie Krankenhäuser oder so verwendet werden, sondern in den Tourismus reinvestiert werden."

Andere gehen weiter in der Kritik. "Die erwarteten Einnahmen machen den Schaden, der durch die Ecotasa verursacht wird, nicht wett. So verrückt das klingen mag: Schon wegen eines Aufpreises von insgesamt zehn Euro verzichten viele auf eine Reisebuchung", meint der Chef des Reiseveranstalters Barceló Viajes, Gabriel Subías. Viele Mallorquiner haben die Zeit zwischen 2001 und 2003 in Erinnerung. Dank einer Ökosteuer waren damals 160 Millionen Euro in die Insel-Kassen geflossen - unterm Strich blieb aber wegen des Einbruchs der Buchungen ein großes Minus.

Für Rentner Helmut geht es nicht ums Geld, beteuert er, sondern "ums Prinzip". "Wenn man uns schröpfen will, fahren wir woanders hin."

Aber nicht nur die "Ecotasa" lässt Hoteliers & Co. zittern. Da sind dieses "neue Wirtschaftsmodell" und der "nachhaltigere Tourismus", die das Linksbündnis propagiert. Auf den Punkt brachte es Més-Koordinator David Abril. Man müsse die Grundlage für einen Wandel legen. Also kein Massentourismus? Der Sektor macht auf den Balearen 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Man brauche keine 14 Millionen Urlauber, sagt Abril. 1985 habe man mit fünf Millionen das höchste Pro-Kopf-Einkommen Spaniens gehabt - "nun rangieren wir trotz Urlauberrekorde im unteren Mittelfeld". Und: Die Kassen sind leer.

"Der Alptraum ist vorbei", rief Armengol im Parlament. Nach Meinung einiger fängt er gerade erst an.
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