36 von 244 Grundschulen im Bestand gefährdet
Bayern will verstärkt Schulverbünde fördern

(Foto: dpa)

In der Oberpfalz sind 36 der 244 Grundschulen im Bestand gefährdet. Kultusminister Spaenle schlägt vor, gemeindeübergreifende Schulverbünde zu schaffen.

München. Zum Erhalt von der Schließung bedrohter Grundschulstandorte soll ab dem kommenden Schuljahr die Gründung von Grundschulverbünden über Gemeindegrenzen hinweg möglich sein. Das sieht ein Gesetzentwurf der Staatsregierung vor, der am Dienstag im Landtag in Erster Lesung beraten wurde. "Wir wollen das bei den Mittelschulen bewährte Instrument des Schulverbundes auch zur Standorterhaltung von Grundschulen einsetzen", erklärte Kultusminister Ludwig Spaenle. Dieses Ziel wurde fraktionsübergreifend begrüßt.

Im Bestand gefährdet sind vor allem Grundschulen, die nicht einmal mehr über eine Klasse je Jahrgangsstufe verfügen. In der Oberpfalz sind das nach Daten des Statistischen Landesamtes 36 der 244 Grundschulen (Stand 2015). In den Landkreisen Neustadt/WN und Schwandorf sind es je neun Grundschulen, im Landkreis Tirschenreuth sechs und im Landkreis Amberg-Sulzbach vier. In 46 der 220 Gemeinden der Oberpfalz gibt es schon heute keine Grundschule mehr. Die meisten Gemeinden ohne Schule befinden sich in den Landkreisen Neustadt/WN (10) und Regensburg (9). Im Landkreis Tirschenreuth haben sieben Gemeinden keine Schule mehr, in den Landkreisen Schwandorf und Amberg-Sulzbach je sechs.

Die Initiative zur Schaffung eines Verbundes muss von benachbarten Gemeinden ausgehen. Mit dem Gesetz können dann vor Ort "passgenaue schulorganisatorische Lösungen" gefunden werden. Je nach Modell kann es vorkommen, dass Schüler zwischen den verschiedenen Standorten eines Verbundes transportiert werden müssen. Die Kosten dafür müssen die Kommunen tragen, der Freistaat gibt Zuschüsse.

Mit dem neuen Gesetz wird den Gemeinden zudem die Möglichkeit eröffnet, auch an Grund- und Förderschulen offene Ganztagsangebote einzurichten. Die Gemeinden müssen dafür pro Gruppe 5500 Euro aufbringen sowie die entstehenden Sachkosten übernehmen. Je nach Ausgestaltung fördert der Staat jede Gruppe mit zwischen 5000 und knapp 38 000 Euro. Für das Schuljahr 2016/17 stehen Mittel für rund 1000 offene Ganztagsgruppen an Grund- und Förderschulen zur Verfügung. Laut Spaenle soll der weitere Ausbau "in Tausender-Schritten vorangetrieben" werden.

Die SPD-Bildungspolitikerin Simone Strohmayr bezeichnete die Finanzausstattung angesichts von 2700 Grund- und Förderschulen mit über 25 000 Klassen als "völlig unzureichend". "Damit lässt sich die Nachfrage der Familien nach einem qualitativ hochwertigen schulischen Ganztagsangebot nicht einmal ansatzweise erfüllen", sagte sie.
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