Erinnerungsort für das Olympia-Attentat von 1972
Oberpfälzer machen die Pläne

Das Dach wirkt wie die in die Höhe gehobene und abgeschnittene Hügelkuppel. Sie soll auf elf Säulen ruhen, auf denen sich in Hebräischen Buchstaben die Namen der elf ermordeten israelischen Sportler und eine kurze Biografie der Opfer finden. Bild: Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth/Würzburg; 3D Betrieb, Würzburg
München: Conolly-Straße 31 | München/Tirschenreuth. (paa) Als Student ist Peter Brückner häufiger in München an der schlichten Gedenktafel vor dem Haus an der Conolly-Straße 31 vorbeigelaufen. Diese erinnert an die elf beim Olympia-Attentat im Jahr 1972 getöteten israelischen Sportler. Nun als Architekt plant der Tirschenreuther den Gedenkort, der im Olympiapark mit Blick auf jenes Haus entstehen soll, in dem am 5. September 1972 acht palästinensische Terroristen der Gruppe "Schwarzer September" israelische Olympioniken als Geiseln nahmen. Am Ende waren elf Israelis tot - zwei ermordeten die Terroristen noch im Olympischen Dorf, neun in Fürstenfeldbruck. Auf dem Flugplatz bei München starb zudem im Kugelhagel der missglückten bayerischen Befreiungsaktion auch ein Polizist.

Der Oberpfälzer Entwurf setzte sich gegen fünf Konkurrenten durch, die aus Berlin, Stuttgart, Wien und Tel Aviv kommen. "Ich freue mich riesig", sagt Peter Brückner vom gleichnamigen Architekturbüro in Tirschenreuth und in Würzburg: "Im ganzen Team ist die Freude riesengroß." Der Siegerentwurf schaffe einen Ort zum Innehalten, begründete die Architektin Barbara Holzer als Vorsitzende der Wertungskommission die Wahl der Jury. Die Entscheidung fiel einstimmig. Alle Entwürfe sind noch bis zum 5. Oktober im Jüdischen Museum in München zu sehen. Um sich dem Thema zu nähern, hätten sie "alles an Medien und Berichten zusammengetragen", erzählt Peter Brückner. Das Architektenbüro entwickelte das Konzept zusammen mit dem Passauer Ausstellungsmacher und Historiker Winfried Helm.

Skriebeleit leitet Projektgruppe

"Das ist architektonisch das, was dieser Ort braucht", lobt Jörg Skriebeleit den Entwurf der Architekten. "Nun müssen wir das museologisch füllen." Der Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN) ist der zweite Oberpfälzer, der an der Gestaltung des Erinnerungsortes in München mitarbeitet: Skriebeleit führt zusammen mit Bernhard Purin, dem Leiter des jüdischen Museums München, die Projektgruppe. Sie entwickelte das Konzept für den Gedenkort, das vor einem Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und Grundlage für den Architektenwettbewerb war. Es sieht vor die Opfer zu würdigen, sie und ihre Biografie ins Zentrum zu rücken. Den Anstoß zur Errichtung des Gedenkraumes gab vor zwei Jahren beim 40. Gedenktag des Attentats Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

In die Vorarbeiten waren das Bundesinnenministerium, der Deutsche Olympische Sportbund, die bayerischen Innen-, Finanz-, und Kultusministerien, die Stadt München, die Israelitische Kultusgemeinde München, das Generalkonsulat des Staates Israel sowie die Sprecher der Gruppe der Überlebenden des Attentats und Familienangehörige eingebunden. (Kommentar)
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