Kommentar zu den Terroranschlägen in Brüssel
Trotz des Terrors muss die freiheitliche Gesellschaft ihre Werte leben

Die Botschaft der jüngsten Terroranschläge von Brüssel ist klar: "Wir treffen euch wann und wo wir wollen, obwohl ihr stärker seid. Eure Sicherheitsvorkehrungen können uns nicht aufhalten." Und: Wenige Tage nach der Verhaftung des Pariser Attentäters Salah Abdeslam in Brüssel sollen die Terrorattacken in der belgischen Hauptstadt eine zweite Schreckensbotschaft verbreiten: "Wenn ihr meint, dass ihr einen Erfolg gegen uns erzielt habt, dann schlagen wir umso härter zu."

Terror ist moralisch-psychologische Kriegsführung. Das gilt auch für die blutige Terrorwelle, die Franzosen und Belgier derzeit erleben müssen - und die nicht nur deren Länder, sondern Europa erschüttert. Der Terror verängstigt und verunsichert Menschen weitab von Brüssel oder Paris. Nicht, weil sie in diesen Städten Familie, Freunde oder Bekannte haben oder diese Orte besucht haben, sondern weil eine Flut von Terrorberichten über sie hereinbricht, die sich durch soziale Medien noch verstärkt. Es gibt ein Land im Osten des Mittelmeers, das vor 15 Jahren auch eine Terrorwelle erleben musste. Die Antwort israelischer Wissenschaftler: Aufklärung der Bevölkerung über die psychologische Wirkung des Terrors.

Den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus sollte Europa aber weniger im Nahen Osten, sondern Zuhause in seinen Gesellschaften und seinen Städten führen. Dazu braucht es kein Militär, sondern Polizei und Geheimdienste. Entscheidend ist aber die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit den Extremisten. Die freiheitliche, offene Gesellschaft muss ihre Werte deutlich machen und leben. Die Feinde sind nicht Muslime, die sich an Speise- oder Bekleidungsvorschriften halten, sondern die Terroristen und ihre Ideologen.

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