Kommentar zu Weihnachten
Am Ende zählt unsere gemeinsame Menschlichkeit

Wie alle Jahre steht in diesen Tagen das Fest zur Feier der Geburt eines Kindes im Mittelpunkt, eines Kindes, das vor mehr als 2000 Jahren am östlichen Ufer des Mittelmeeres das Licht der Welt erblickte. Christen erinnern sich an Weihnachten daran, dass Gottes Sohn Mensch geworden ist.

Doch das Neugeborene in der Futterkrippe in Bethlehem vermittelt in seiner Hilfsbedürftigkeit - wie jedes Baby - eine weitere, eine entscheidende Botschaft: die der radikalen Menschlichkeit. Dem Kind sieht niemand an, ob es Gottes Sohn ist oder aus einem Königshaus oder aus einer Zimmermannsfamilie aus Nazareth stammt. Unsere Menschlichkeit, unser aller Angewiesensein auf Würde, zeigt sich nirgendwo deutlicher als in der Gestalt eines zarten Neugeborenen.

Im September führte uns das bittere Schicksal eines Kleinkindes aus dem Nahen Osten eindrücklich vor Augen, was es beutet, wenn wir unsere Menschlichkeit vergessen. Aylan Kurdi aus dem syrischen Kobane ertrank auf der Flucht vor den Gräueln des Krieges in seiner Heimat. Das Bild des Dreijährigen, der scheinbar schlafend an die Wellen geschmiegt am Strand der türkischen Küste liegt, ist zum Symbol des Versagens in der Flüchtlingskrise geworden. Sein Tod ist eine Mahnung - nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt

Angela Merkel stellt sich als Regierungschefin der fundamentalen Herausforderung der Menschlichkeit. Die Bundeskanzlerin macht deutlich, dass Menschenwürde keinen nationalen, sondern nur einen universellen Maßstab kennt. Sie weiß sich damit im Gleichklang mit allen jenen, die die Menschlichkeit hochhalten - seien sie nun Christen, Juden, Muslime oder religionsfern.

Jenen, die verunsichert sind, mag es helfen, sich an die Botschaft der Engel vor 2000 Jahren zu halten. "Fürchtet Euch nicht", riefen sie den Hirten auf dem Felde zu als sie diesen die Geburt Jesu verkündeten, heißt es in der Weihnachtsgeschichte. Die Ermutigung gilt auch für jene, die in dieser Erzählung nur eine schöne Legende sehen. Das was am Ende zählt, ist unsere gemeinsame Menschlichkeit - das gilt für Einheimische und Flüchtlinge gleichermaßen.

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