Kommentar zum Wahlerfolg der AfD
Es ist Zeit, dass Seehofer eine Flüchtlingsunterkunft besucht

Auf den ersten Blick scheint es, als hätten sich die Deutschen angesichts der Flüchtlingskrise der Demokratie zugewandt. Dafür spricht die steigende Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Diese übertraf sogar die von vor fünf Jahren, als die Atomkatastrophe von Fukushima die Deutschen aufschreckte. So gesehen ist der Wahlsonntag ein Zeugnis für die Reife der deutschen Demokratie. Politikverdrossenheit sieht anders aus.

Mehr als ein Wermutstropfen ist aber, dass sich viele derjenigen, die an die Wahlurne zurückgekehrt sind, der AfD zugewandt haben. Ein Großteil dieser Wähler fürchtet angesichts des Flüchtlingsstroms um den eigenen sozialen Status und seine Zukunft. Sie suchen in einer sich dynamisch verändernden, globalisierten Welt nach Ordnung, Kontrolle und Sicherheit. Ihre Hoffnung setzen sie auf die vermeintlichen Heilsbringer aus einer rechtspopulistischen und bisweilen völkische Bewegung, obwohl die große Mehrheit der AfD-Wähler das nicht ist. Dabei hat das, was diese Bewegung verspricht, wenig mit einer freiheitlichen Gesellschaft gemein. Ein anderes Thema als die Ablehnung der Flüchtlinge hat die AfD ohnehin nicht zu bieten. Es herrscht Sprachlosigkeit.

Am Sonntag wurden diejenigen Politiker bestätigt, die Haltung gezeigt haben, auch in der Flüchtlingspolitik. Das war bereits bei den hierzulande kaum beachteten Kommunalwahlen in Wien zu beobachten. Die CSU sollte das in ihr Kalkül mit einbeziehen. Immerhin ist Bayern bei der Aufnahme und Integration der Flüchtlinge ein Vorbild. Das sagen selbst schärfste Kritiker von Horst Seehofer. Es ist an der Zeit, dass auch er Flüchtlingsunterkünfte besucht. Eine gelungene Integration zeigt all jenen, die verunsichert sind, dass der Staat die Kontrolle nicht verloren hat. Das nimmt den Rechtspopulisten den Wind aus den Segeln.

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