Kommentar zur EU-Energiepolitik
Der Leidensdruck wächst

Deutschlands Nachbarstaaten ächzen - und murren zunehmend, wenn regelmäßig "Überschuss"-Strom aus volatilen Energien die Netze über die Grenzen bis ans Limit belastet. So scheitert beispielsweise die Durchleitung von Wasserkraftstrom aus Skandinavien vorerst daran, dass in Deutschland der Ausbau von Hunderten Kilometern neuer Stromtrassen nicht in die Gänge kommt.

Die "German Energiewende" führt drastisch vor Augen, dass sich die Stromversorgung nur auf europäischer Ebene lösen lässt. Die Ziele muten ebenso idealistisch wie ambitioniert an: enge Kooperation statt unkoordinierter nationaler Entscheidungen; Kostenreduzierung durch signifikant höhere Energieeffizienz und Senkung der Treibhausgase.

Ernüchternde Realität ist, dass die EU bei der Sicherung ihrer Außengrenzen und bei der Flüchtlingspolitik eklatant versagt. Warum sollte nun ausgerechnet eine gemeinsame Energiepolitik in Europa gelingen? Warum sollten hier Staaten auf nationale Kompetenzen verzichten und an das (ungeliebte) Brüssel geben? Da fällt eine Prognose leicht: Der Leidensdruck bei der grenzüberschreitenden Energieversorgung wird wachsen, und mit ihm die faktischen Zwänge. Unter Schmerzen. Vor diesem - europäischen - Hintergrund leisten sich die Bundesländer noch eine energiepolitische Kleinstaaterei, die anachronistisch wirkt. Wie aus der Zeit gefallen. So bastelte nahezu jedes Bundesland ein eigenes Energiekonzept. Föderalismus als Realsatire.

Nicht zuletzt werden die steigenden Strompreise zum Handeln zwingen: Und die Versorgungssicherheit, wenn im Jahr 2022 das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht.

clemens.fuetterer@oberpfalzmedien.de
2 Kommentare
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Johann Strasser aus Winklarn | 24.11.2016 | 08:33  
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Dr. Peter Steinbock aus Eschenbach in der Oberpfalz | 30.11.2016 | 18:45  
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