Kommentar zur Flüchtlingspolitik
Griechenland braucht in der Flüchtlingskrise europäische Hilfe

Griechenland hat Pech. Es liegt im Süden der Europäischen Union, so wie Spanien und Italien auch. In diesen Ländern klopfen Flüchtlinge als erstes an, wenn sie nach Europa wollen. Das ist seit Jahrzehnten so. Bislang war dies auch weitgehend das Problem der betreffenden Staaten. Die Länder im Norden verschanzten sich hinter den Dublin-Regeln.

Unterstützung für die EU-Staaten im Süden gab es von den anderen selten, und wenn, dann halbherzig. Im Gegenteil: Italien wurde für seine Aktion "Mare Nostrum" sogar heftig gescholten. Die Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge würde diese erst ermuntern, sich auf die gefährliche Überfahrt zu machen, hieß es. Spät besannen sich die übrigen EU-Staaten eines Besseren und halfen schließlich den Italienern.

Nun ist es Zeit, endlich Griechenland zu helfen. Das Land hat die Schuldenkrise noch lange nicht überwunden. Nun gefährdet der Ansturm der Flüchtlinge das schwächste Mitglied der Euro-Zone ebenso wie die überbordende Verschuldung. Und niemand dürfte Griechenland ernsthaft vorwerfen, dass es mehr als 13 000 Kilometer Küsten hat, die schwer zu überwachen sind.

Die Transall-Flugzeuge, die der Niederbayer Manfred Weber (CSU), der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, an die syrisch-türkische Grenze schicken will, sollten zunächst nach Griechenland fliegen. Dort sind von 1. Januar bis 6. März mehr als 130 000 Flüchtlinge angekommen. Bislang konnten sie weiter nach Norden. Wenn es diese Entlastung nicht gibt, wird Griechenland zum Flüchtlingslager der Europäischen Union.

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