Trauer um in Syrien ermordeten Jesuiten
Nun sind alle Pater Frans

Das Kindertheater ist Teil der psychosozialen Betreuung im Zentrum "Al Mukhales" ("Heiliger Retter") in der syrischen Stadt Homs. In der Einrichtung betreuen die Jesuiten und ihr Flüchtlingsdienst Opfer des Bürgerkrieges in Syrien. Bild: Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS)
Von Alexander Pausch

Vor einem Jahr wurde der niederländische Jesuit Frans van der Lugt in Syrien ermordet. Er war die Stimme der Menschlichkeit in der Hölle von Homs. Seine Mörder brachten zwar ihn zum Verstummen, aber seine Botschaft wirkt weiter.

"Pater Frans war unbequem. Er stellte die konservativen Denkstrukturen in Frage", erzählt der syrische Christ, der seit vielen Jahren in Franken lebt. Er kannte schon als Jugendlicher den aus den Niederlanden stammenden Pater. Über ihn kam er erstmals mit den Jesuiten in Kontakt. Pater Frans van der Lugt, der 48 Jahre in Syrien wirkte, hatte ihm das Studium in Deutschland vermittelt. Heute versteht sich der syrische Christ als ein Erbe des Jesuiten, wie so viele, die dem Niederländer in Syrien begegnet sind.

Gedenkgottesdienst

Mit einem Gottesdienst und einer Gedenkfeier gedachten die Jesuiten in Nürnberg nach Ostern des am 7. April 2014 drei Tage vor seinem Geburtstag ermordeten Paters. Der Jesuit hatte bei den 3000 hungernden Menschen, darunter rund 100 Christen, in der belagerten und abgeriegelten Altstadt von Homs ausgeharrt. "Er wollte bei denen bleiben, die niemanden mehr hatten", berichtet ein Mitbruder aus dem Nahen Osten. "Trotz des Beschusses ist er mit seinem Fahrrad von Haus zu Haus gefahren, um die Eingeschlossenen zu besuchen." In ihrem Namen hatte Pater Frans dramatische Hilferufe an die Welt gerichtet.

Im Zuge des im Frühjahr 2014 in Homs ausgehandelten Waffenstillstandes zwischen Rebellen und Regierungstruppen sei auch der Tod von Pater Frans besiegelt gewesen, sind seine Freunde überzeugt. "Er wusste genau, dass er die Altstadt nicht lebend verlassen würde, weil er ein Zeuge für die Verbrechen beider Seiten war." Am 7. April 2014 drangen zwei Unbekannte ins Jesuitenkloster in der Altstadt von Homs ein und ermordeten den damals 75 Jahre alten Pater Frans. Doch sein Geist, seine Botschaft wirken weiter.

Muslime und Christen

Nicht nur die syrischen Mitbrüder des Niederländers, sondern auch die mehr als 600 freiwilligen Helfer des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes - Christen und Muslime - verstehen ihre Arbeit als sein Vermächtnis. Ihnen geht es um Versöhnung, so wie Pater Frans einst auch. Im vom Bürgerkrieg zerrissenen Syrien betreuen sie mehr als 250 000 Menschen. Tagtäglich versorgen sie mit ihren Suppenküchen in Aleppo, Damaskus und Homs rund 18 000 Familien.

Die Jesuiten verteilen nicht nur Nahrung und Kleidung, sie bieten den durch den Bürgerkrieg traumatisierten und vertriebenen Menschen auch Obdach, psychosoziale Betreuung und medizinische Versorgung. Zudem betreiben sie Schulen und Bildungseinrichtungen, sowie Werkstätten für Frauen und sie bieten interaktives Theater für Frauen und Mädchen zur Aufklärung.

Dabei arbeiten die Jesuiten mit anderen christlichen Organisationen zusammen, aber auch mit dem Roten Halbmond und mit muslimischen Wohlfahrtsverbänden.
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