Vages Lebenszeichen von Paolo Dall'Oglio
Brückenbauer zum Islam

Von Alexander Pausch

Der von der IS-Terrormiliz in Syrien verschleppte Jesuit Paolo Dall'Oglio gilt als Brückenbauer zwischen Christen und Muslimen. Navid Kermani, Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, erinnerte in seiner Rede an das Schicksal des Italieners. Nun gibt es ein vages Lebenszeichen.

Vor mehr als zwei Jahren ist der italienische Jesuit Paolo Dall'Oglio in der syrischen Stadt Al-Rakka entführt worden. Er war Ende Juli 2013 dorthin gereist, um das zu tun, was ihm in den mehr als 30 Jahren in denen er in Syrien lebte, gelungen war: Brücken zu bauen und zu vermitteln. Er wollte Freunden helfen, deren Angehörige von den Dschihadisten verschleppt worden waren. Doch hier in der Stadt am Euphrat, die sich das Terrorkalifat Islamischer Staat (IS) als Hauptstadt auserkoren hat, stieß er an seine Grenzen. Obwohl ihn IS als Verhandlungspartner akzeptiert hatte, wurde auch er verschleppt.

Ein Jahr fehlte jedes Lebenszeichen - bis vor wenigen Tagen. Da berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, der inzwischen 60-jährige Jesuit sei noch am Leben. Die Stelle beruft sich auf einen IS-Überläufer, der den Geistlichen persönlich in einem IS-Gefängnis gesehen haben will. Bereits im September 2014 hatte der syrische Oppositionelle Michael Kilo im Interview mit der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" berichtet, dass Dall'Oglio in einem IS-Gefängnis sei.

Gerüchte, dass der Jesuit noch am Leben sei, gab es immer wieder. Aber keine Gewissheit, auch jetzt nicht. Seine Freunde wollten nie die Hoffnung aufgeben. Zuletzt hatte Papst Franziskus im Juli Hoffnungen genährt. Beim Angelus-Gebet appellierte das Oberhaupt der katholischen Kirche "nachdrücklich und von ganzem Herzen" an die Entführer seines Ordensbruders, ihn und die zwei im April 2013 bei Aleppo verschleppten Bischöfe, den griechisch-orthdoxen Erzbischof Boulos Yazigi und den syrischen Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim, freizulassen.

Warnung vor Extremismus

Pater Dall'Oglio, der wie kein anderer für das friedliche Zusammenleben von Islam und Christentums steht, warnte wieder und wieder vor dem Erstarken der Extremisten. "Der Kampf um Freiheit wird in einen Bürgerkrieg umschlagen. Dieser schafft Räume für alle Formen von Extremismus, alle Arten von Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Katastrophen", bekräftigte der Jesuit im Juli 2012, kurz nach seiner Ausweisung aus Syrien wegen seines Eintretens für Freiheit und Gerechtigkeit, seine Warnungen.

Nachdrücklich bat der Geistliche um ein Eingreifen der internationalen Gemeinschaft. Es sei ihre Verantwortung, den Syrern zu helfen. Die Hilfe kam nicht. Inzwischen sieht die Welt, dass die Warnung des Italieners grausame Wirklichkeit geworden ist.

Der fließend Arabisch sprechende Pater Dall'Oglio war im Nahen Osten wegen seines Einsatzes für den christlich-muslimischen Dialog bekannt. Das Kloster Mar Musa al-Habaschi in der Wüste 80 Kilometer nordöstlich von Damaskus, das der Italiener dem Vergessen und Verfall entrissen hatte, wurde unter seiner Leitung zum Zentrum für den Dialog. Der Komplex aus dem 6. Jahrhundert wurde für Zehntausende Menschen verschiedener Konfessionen und Religionen zum Ort der Begegnung.

Mit seiner Haltung zum Islam und seiner Kritik an den Strukturen der Ortskirchen, stieß der Jesuit bei den Bischöfen im Land Ablehnung. Was ihn nicht hinderte Christen, Juden und Muslime in aller Welt an ihre Verantwortung für Syrien zu erinnern. Alle drei Religionen hätten dem Land sehr viel zu verdanken.

Weg der Nächstenliebe

Bis heute harren Mitglieder der von Pater Dall'Oglio gegründeten syrisch-katholischen Ordensgemeinschaft in Syrien aus. Dass der ebenfalls von der IS-Terroristen entführte Mitbruder Pater Jacques Mourad von Muslimen aus seiner Gemeinde Qaryatein befreit wurde, dürfte der Italiener als Bestätigung empfinden. Der vom Dall'Oglio eingeschlagene Weg der Versöhnung und Nächstenliebe gegenüber Muslimen führt offensichtlich in die richtige Richtung.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.