1983 in Belgrad abgesetzt - Götz sieht sich als Teil der Wende - Heute Trainer in Saarbrücken
Reise zur Flucht genutzt

Leverkusens Stürmer Falko Götz (links) lässt sich am 1.11.1986 im Münchner Olympiastadion von seinen Teamkameraden feiern. Bild: dpa
Als Millionen Menschen am 3. Oktober 1990 den Tag der Deutschen Einheit feierten, hatte Falko Götz sein Glück längst gefunden. Schon sieben Jahre zuvor war der einstige Fußballprofi auf einer Europacup-Reise mit dem DDR-Meister BFC Dynamo in den Westen geflohen und kickte bereits erfolgreich in der Bundesliga.

"Es ist nicht so, dass auf meine Kosten eine große Party stattfinden würde. Aber andersherum glaube ich schon, dass ich einen ganz, ganz kleinen Anteil daran habe, dass die Mauer gefallen ist", sagte Götz vor dem 25. Jahrestag der Wiedervereinigung.

Rückblende: Am 2. November 1983 spielt der Lieblingsclub von Stasi-Chef Erich Mielke im Cup der Landesmeister bei Partizan Belgrad. Am Vormittag dürfen die Spieler für eine halbe Stunde shoppen gehen. Diese Chance nutzt der damals 21-Jährige, um sich gemeinsam mit Teamkollege Dirk Schlegel abzusetzen. "Die Freiheitsliebe, die ich in mir gespürt habe, hat dazu geführt, dass ich die DDR verlassen habe", begründet Götz die waghalsige Flucht.

Im DDR-System fühlte er sich begrenzt, eingeengt, benachteiligt. Obwohl er beim Aufnahmetest für die Sportschule den dritten Platz unter 80 Kandidaten belegt, wird er ohne Begründung abgelehnt. Für den damals 14-Jährigen ein Schock. Zum ersten Mal fühlt er, dass es in der DDR nicht immer nach Leistung geht. Bremsen lässt er sich dadurch nicht. Auch ohne die Förderung auf der Sportschule spielt er sich in den Vordergrund und mit 19 in die DDR-Juniorenauswahl. Bei einem Spiel in Schweden spricht ihn ein Talente-Scout an. Götz ist sofort elektrisiert von dem Gedanken, einmal in der Bundesliga zu spielen.

Zwei Jahre später sieht er den richtigen Moment gekommen. Schon vor der Abreise nach Belgrad verabschiedet er sich von den Eltern und seinen zwei Schwestern. Obwohl sie auf Schritt und Tritt von Stasi-Leute überwacht werden, gelingt es Götz und Schlegel, unbemerkt aus einem Kaufhaus zu entwischen und mit einem Taxi die BRD-Botschaft zu erreichen. Dort erhalten sie Pässe mit falschen Namen.

Zunächst geht es mit dem Auto nach Ljubljana, von dort mit dem Nachtzug nach München. Der 2010 verstorbene Jörg Berger - vier Jahre zuvor ebenfalls über Jugoslawien aus der DDR geflohen - vermittelt dem Duo elf Angebote aus der Bundesliga. Die Wahl fällt auf Bayer Leverkusen, wo Götz Karriere macht und 1988 sogar den Uefa-Cup gewinnt.

Später wird er mit dem 1. FC Köln deutscher Meister und holt mit Galatasaray Istanbul zwei Titel in der Türkei. Als Trainer arbeitete er in der Bundesliga bei Hertha BSC und 1860 München, war in Kiel, Vietnam, Aue und versucht nun, den 1. FC Saarbrücken in die 3. Liga zu führen.
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