45-minütige Gala reicht

Die Münchner Spieler beim Torjubel, ihrer derzeit liebsten Betätigung. Robert Lewandowski, Thomas Müller und Arjen Robben (von links) trafen jeweils beim 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart. Bild: dpa

Der FC Bayern marschiert in der Bundesliga weiter vorne weg. Gegen sorglos verteidigende Stuttgarter genügte eine 45-minütige Gala-Vorstellung, um den 4:0-Sieg herauszuschießen. Gefeierter Held war dabei einer, der gar nicht getroffen hatte.

Es lief die 57. Spielminute, als Bayern-Trainer Pep Guardiola wie wild in Richtung seiner Ersatzspieler gestikulierte, die sich hinter dem Tor von Manuel Neuer auf ihren Einsatz vorbereiteten. Als sich dann Holger Badstuber auf den Weg zurück zur Ersatzbank machte, entbrannte stürmischer Beifall auf den Rängen. 75 000 Zuschauer in der ausverkauften Arena erhoben sich von ihren Plätzen und stimmten "Badstuber-Sprechchöre" an. "Da hatte sogar ich auf der Bank Gänsehaut", sagte hinterher Kapitän Philipp Lahm, dem Guardiola gegen den VfB Stuttgart eine schöpferische Pause gönnte.

Badstuber für Müller

200 Tage hatte der 26-jährige Badstuber verletzt gefehlt. Zuletzt stand er im Viertelfinal-Rückspiel der Champions-League in der letzten Saison gegen den FC Porto (6:1) auf dem Feld. Und es passte ins Bild, dass Thomas Müller, Badstubers Spezi seit Bayern-Jugend-Zeiten, das Feld verlassen musste.

Das Comeback des 31-maligen deutschen Nationalspielers war der einzige Höhepunkt in der zweiten Hälfte, die niemanden von den Sitzen riss. Zu dominant agierte der deutsche Rekordmeister und stellte den 4:0-Endstand schon vor dem Wechsel her. "Wir können nicht so kompakt verteidigen wie Frankfurt und wollten kühn nach vorne verteidigen und die Bayern früh attackieren", sagte VfB-Kapitän Christian Gentner nach dem Spiel. In der Tat setzte das Stuttgarter Offensiv-Trio Timo Werner, Daniel Didavi und Filip Kostic die Dreierkette der Bayern früh unter Druck. "Jerome Boateng, David Alaba und Rafinha hatten keine Zeit und mussten schnelle Entscheidungen treffen", analysierte Guardiola auf der Pressekonferenz.

Nur zehn Minuten stabil

Diese mutige Taktik ging aber nur ganze zehn Minuten auf, ehe die Schwaben vom FCB-Express überrollt wurden. Nach einem kurz ausgeführten Stuttgarter Eckball, liefen sechs Bayern-Spieler in höchstem Tempo auf einen VfB-Verteidiger zu. Den spielte Douglas Costa noch aus und Arjen Robben verwertete den Querpass mit dem Bauch zur frühen Führung (11.). Die weiteren Treffer durch Douglas Costa, Robert Lewandowski und Thomas Müller fielen auch nach schnellen Gegenstößen der Bayern. Die Defensive der Schwaben bot der Bayern-Offensive zu viel Raum an, den die wieselflinken Gastgeber auch eiskalt nutzten. Immerhin korrigierte der VfB-Trainer Alex Zorniger die taktische Ausrichtung zur Pause und "opferte" Filip Kostic für einen weiteren Defensivmann. Mit Adam Hlousek und zwei kompakten Viererketten spielten die Schwaben immerhin den zweiten Abschnitt "zu Null". "Dafür muss ich meine Spieler loben, auch wenn so eine Spielweise entgegen meiner Überzeugung ist", sagte Zorniger.

Die Stuttgarter waren sich einig, in den ersten 45 Minuten hoffnungslos unterlegen gewesen zu sein. Daher wollte sich auch niemand wirklich beschweren, dass zwei Treffer der Bayern nach Abseitsstellungen fielen und dem vermeintlichen Anschlusstreffer durch Werner zu Unrecht die Anerkennung verweigert wurde (47.). Die Bayern nahmen zudem den Fuß vom Gaspedal, spulten ihr Programm routiniert und emotionslos ab. So blieb genug Zeit, das Comeback von Holger Badstuber, gebührend und emotional in Szene zu setzen.
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