Abbruch nach Horror-Unfall

Bei diesen Bedingungen hätte in Suzuka ein Rennen nicht gestartet werden dürfen. Hinter dem Safety Car sind die beiden WM-Führenden Nico Rosberg und Lewis Hamilton kaum mehr zu erkennen. Bild: dpa

Nach Feiern war keinem zumute. Der schwere Unfall des Marussia-Piloten Jules Bianchi überlagerte beim Großen Preis von Japan das Sportliche. Noch gibt es keine verlässlichen Informationen über den Zustand des Franzosen. Angeblich soll er eine erste Operation gut überstanden haben.

Die Formel 1 steht unter Schock und bangt um das Leben des Marussia-Piloten Jules Bianchi. Der schwere Unfall des 25 Jahre alten Franzosen machte den Mercedes-Doppelerfolg beim chaotischen Regenrennen in Suzuka am Sonntag zur Nebensache. Drei Stunden nach dem Sieg von WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton vor Nico Rosberg und Sebastian Vettel teilte der Internationale Automobilverband FIA mit, dass Bianchi eine "schwere Kopfverletzung" erlitten habe. Er wurde währenddessen im Mie-General-Krankenhaus operiert und soll danach auf der Intensivstation weiter behandelt werden.

Nach Berichten des französischen Fachblatts "L 'Equipe" soll Bianchi eine erste Operation gut überstanden haben. Der Rennfahrer müsse nach dem Eingriff zudem nicht mehr künstlich beatmet werden. Er könne jetzt wieder selbstständig atmen. Eine offizielle Bestätigung des Krankenhauses, seines Teams oder der FIA gab es dafür zunächst nicht.

"Wir machen uns alle große Sorgen", sagte Hamilton. Trotz seines dritten Sieges in Serie, des achten in dieser Saison und der ausgebauten WM-Führung vor Silberpfeil-Rivale Rosberg war auch ihm nicht nach Feiern zumute. "Wir alle beten für ihn." Ob Hamilton, Rosberg, Vettel oder alle anderen im Fahrerlager: Die Beklemmung nach den schrecklichen Bildern vom Marussia-Rennwagen unter einem Bergungskran ließen keinen los. Das turbulente Rennen war kurz nach dem tragischen Unfall in der 46. von 53 Runden abgebrochenen worden.

Auf dem Siegerpodest und bei der Pressekonferenz herrschte eine beklemmende Stimmung. Rosberg sprach bedrückt von einer "sehr, sehr ernsten" Situation. "Meine Gedanken sind bei ihm." Vettel wünschte dem sofort ins Krankenhaus transportierten Marussia-Kollegen "das Allerbeste". Die Unwissenheit über Bianchis Zustand sei quälend. Teams und Fahrer bekundeten ihre große Betroffenheit.

Bianchi war mit seinem Marussia unter den Kran gekracht, der das Auto von Adrian Sutil bergen sollte. Der Sauber-Pilot aus Gräfelfing war eine Runde vorher an der gleichen Stelle wegen Aquaplanings von der Strecke abgekommen. Auf Fotos war zu sehen, dass die linke Seite des Rennautos komplett zerstört war. Durch die Wucht des Aufpralls brach sogar der Überrollbügel. Das Fachmagazin "auto, motor und sport" zitierte einen Augenzeugen: "Im Scheitelpunkt brach das Heck aus. Bianchi korrigierte, doch das Auto bekam einen Konter. Der Marussia rutschte quer in das Kiesbett, wo er zu springen begann. Damit wurde die Geschwindigkeit nicht verzögert." Wie das Blatt weiter berichtet, habe die Polizei das Wrack beschlagnahmt.

Strecke unter Wasser

Ohne den tragischen Crash wäre es "nur" ein völlig verrücktes, aber auch spektakuläres Rennen gewesen. Durch den Unfall wurde es zu einem dramatischen Tag, der noch länger für Diskussionen sorgen wird. Der strömende Regen ließ ein normales Rennen zu diesem Zeitpunkt nicht zu. Teile des 5,807 Kilometer langen Kurses standen unter Wasser.
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