Abensberger Auszeit

Ole Bischof (links) in Aktion: Der Judo-Olympiasieger kämpfte jahrelang für den TSV Abensberg. Die Niederbayern ziehen jetzt ihre Mannschaft aus der Bundesliga zurück. Bild: dpa

Man stelle sich vor, der FC Bayern würde seine Mannschaft aus der Fußball-Bundesliga zurückziehen, damit sich seine Stars auf die WM vorbereiten können. Undenkbar! Aber im Judo geht Rekordchampion TSV Abensberg mit Blick auf Olympia diesen Schritt.

Olympia geht vor. Auf dem Weg seiner Sportler nach Rio meldet der deutsche Judo-Rekordmeister TSV Abensberg überraschend sein Team aus der Bundesliga ab. Nach 20 Meistertiteln in 22 Jahren und 13 nationalen Championaten nacheinander müssen die Niederbayern zumindest in der Liga erst einmal auf die nächsten Kapitel der großen Erfolgsgeschichte warten. "Wir stellen unsere Interessen hinter die Wichtigkeit der Olympischen Spiele im Interesse der Sportler, des Deutschen Judobundes sowie dem Judosport im Allgemeinen", begründete Abteilungsleiter Otto Kneitinger am Dienstag den Schritt. "Wir machen mal eine Auszeit." Der Club ist und war Heimat großer Sportler: Auch Ole Bischof, Olympiasieger von Peking 2008, kämpfte jahrelang für die Abensberger und holte Meistertitel um Meistertitel.

Rund zwei Drittel der insgesamt 30 Sportler aus dem Bundesliga-Kader der Abensberger haben die Sommerspiele in Brasilien ins Visier genommen. Durch zahlreiche Qualifikationsturniere ist die Belastung für die Judoka groß. Dazu noch eine Bundesliga-Saison zu bestreiten, war den Verantwortlichen offenbar zu viel. "Wir machen die Jungs mit dieser Beanspruchung kaputt", sagte der 60-jährige Kneitinger in der "Mittelbayerischen Zeitung". Zumal sich die Termine zum Teil überschneiden.

Zwei Saisons mit Wettkämpfen ohne seine Olympia-Kandidaten kam für den TSV auch nicht infrage, denn Niederlagen gehören nicht zum Selbstverständnis des siebenmaligen Europapokalsiegers. "Wir hätten unsere Ausnahmestellung im deutschen und europäischen Judosport durch Auftritte ohne unsere Top-Sportler infrage gestellt", betonte Kneitinger. Mittelfristig will der Club aber wieder in der Bundesliga vertreten sein. Mit der zweiten Mannschaft wird der Aufstieg von der Regionalliga in die zweite Liga angepeilt - und nach Olympia soll in der 13 000-Einwohner-Stadt auch wieder um Bundesliga-Ehren gekämpft werden.

"Wir werden sehen, dass sie 2017 wieder da sind", sagte Peter Frese, Präsident des Deutschen Judo-Bundes, und war vom neuen Weg des Dauermeisters überrascht. "Das ist eine Abensberger Entscheidung und aus Abensberger Sicht nachvollziehbar." Er sehe den Schritt mit einem "traurigen Auge", weil der Liga-Dominator jetzt fehle. Aber er habe auch ein "lachendes Auge". Frese: "Jetzt haben auch andere Vereine eine Chance, deutscher Meister zu werden." Als bislang letzter anderer Club hatte Großhadern 2001 den Titel gewonnen.
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