Absprache bei WM 2018

Russlands Präsident Wladimir Putin (rechts) und Fifa-Chef Joseph Blatter halten fest zusammen: Auch bei der WM-Vergabe nach Russland soll gemauschelt worden sein. Bild: dpa

Joseph Blatter hat nichts mehr zu verlieren und packt häppchenweise aus. Jetzt sagte er, dass es bei der WM-Vergabe an Russland 2018 Absprachen gegeben habe. Was da wohl sein Freund Wladimir Putin gewusst hat?

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat von einer Absprache über Stimmen vor den Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 berichtet. Es habe 2010 eine Einigung gegeben, "dass wir nach Russland gehen, weil wir noch nie in Russland, Osteuropa waren und für 2022, dass wir in die USA gehen", sagte der derzeit gesperrte Weltverbandspräsident der russischen Staatsagentur Tass. "So hätten wir die WM in den Ländern mit der größten politischen Macht gehabt".

Danach sei es allerdings zu einem - bereits bekannten - Treffen von Frankreichs damaligem Staatschef Nicolas Sarkozy mit dem Kronprinzen von Katar gekommen. Nach dem anschließenden Essen habe Uefa-Präsident Michel Platini gesagt, es wäre gut nach Katar zu gehen. "Dies hat alles geändert. Bei einer geheimen Abstimmung gingen vier Stimmen aus Europa von den USA an Katar", sagte Blatter. Katar setzte sich mit 14:8-Stimmen gegen die USA durch.

England will untersuchen

Der englische Fußballverband will eine angeblich vorab abgesprochene Vergabe genauer untersuchen. "Wir werden das, was (Joseph) Blatter sagt, genau prüfen", sagte FA-Chef Greg Dyke am Mittwoch vor dem Sportausschuss des britischen Parlaments. "Blatter sagt nichts, das mich besonders überrascht", sagte Dyke. Der gesperrte Fifa-Chef und seine Freunde behandelten Geschichten über Korruption beim Fußball-Weltverband nicht wie etwas, das untersucht werde müsse.

Derweil geht die Schlammschlacht zwischen Theo Zwanziger und dem Rest der deutschen Fußball-Welt in eine neue Runde. In der zentralen Frage, ob Günter Netzer ihm gegenüber die Bestechung von Fifa-Funktionären vor der Vergabe der WM 2006 eingestanden hat oder nicht, widersprach der frühere DFB-Präsident dem ehemaligen Nationalspieler vehement.

Netzers Ehefrau könne dafür nicht als Zeugin herangezogen werden, weil sie "bei unserem Gespräch von etwa zwei Stunden höchstens eine halbe Stunde dabei war", sagte Zwanziger bereits am Montag in einem dpa-Hintergrundgespräch. Am Mittwoch hob er die Vertraulichkeit auf und bestätigte diese Aussage noch einmal. Auch eine von Netzer geforderte Unterlassungserklärung werde er "mit großer Wahrscheinlichkeit" nicht unterschreiben, betonte Zwanziger.

Die Auseinandersetzung zwischen ihm und Netzer rückt kurz vor Zwanzigers Aussage vor den externen Ermittlern ins Zentrum der WM-Affäre. Dort will der frühere DFB-Chef spätestens an diesem Donnerstag seine Unterlagen und Kenntnisstände präsentieren. Kurz vor dem Termin sind allerdings massive Zweifel an der Unabhängigkeit der vom Deutschen Fußball-Bund beauftragten Ermittler aufgetaucht.

Der Verband bestätigte am Mittwoch einen Bericht der Zeitung "Die Zeit" über eine private Verbindung zwischen einem engen Mitarbeiter von DFB-Chef Wolfgang Niersbach und einem Partner der eingeschalteten Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Beide Seiten betonten umgehend, dass diese Verbindung auf die Arbeit der Anwälte keinerlei Auswirkungen hätte.
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