Abstieg oft finanzielles Desaster

Vor dem Bundesligaabstieg hat nicht nur HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga Angst. In der 2. Bundesliga heißt es für Spieler und Funktionäre kleinere Brötchen zu backen. Rund 30 Millionen Euro kann der Absturz in die Zweitklassigkeit kosten. Bild: dpa

Der Abstieg in die 2. Fußball-Bundesliga ist so teuer wie nie: Der Absturz stürzt viele Vereine in den finanziellen Abgrund. Besonders betroffen wären davon die großen Clubs wie der HSV, der VfB Stuttgart oder Hannover 96.

Für die Fans ist der Abstieg ihres Clubs aus der Fußball-Bundesliga ein emotionales Problem. Für die Vereine hingegen ist der Absturz in die Zweitklassigkeit vor allem ein finanzielles Desaster. Viele Millionen kostet der sportliche Niedergang, bei Hannover oder Hamburg würden mindestens 30 Millionen Euro in der Kasse fehlen. Und genau das macht eine möglichst schnelle Rückkehr in die 1. Liga so schwierig: In den zurückliegenden zehn Spielzeiten gab es 26 Erstliga-Absteiger, aber nur siebenmal gelang das Comeback in der folgenden Saison.

Fernsehgeld

Der größte Verlust ergibt sich bei einem Abstieg aus den geringeren Einnahmen aus dem TV-Topf der Deutschen Fußball Liga, der in dieser Saison so hoch war wie noch nie. Wie groß der Unterschied ist, hängt vor allem von der vorherigen Platzierung in der 1. Liga ab: Je höher die war, desto größer ist das Minus. Bei Hertha würden in der 2. Liga rund elf Millionen Euro aus der Fernsehvermarktung fehlen, bei den in den Vorjahren deutlich erfolgreicheren Hannoveranern sind es mehr als 20 Millionen. Langfristig ist der finanzielle Schaden sogar noch größer, denn selbst bei einem schnellen Wiederaufstieg fehlen wichtige Punkte für die Fünfjahreswertung.

Sponsorenverträge

Fast alle Clubs haben leistungsbezogene Verträge mit ihren Sponsoren, denn der Werbewert in der 2. Liga ist für die Unternehmen deutlich geringer. Der Hamburger SV kalkuliert im Falle des Abstieges mit einem Sponsoring-Minus von rund zehn Millionen Euro. Besonders problematisch wird es, wenn Verträge auslaufen und neue Geldgeber gesucht werden müssen. Vor allem bundesweit agierende Unternehmen werben nicht gerne mit einem Zweitligisten.

Zuschauereinnahmen

Je größer das Stadion, desto mehr trifft ein Absturz die Clubs. Der VfB Stuttgart mit seiner Arena für 60 000 Zuschauer muss mit einem deutlich größeren Minus rechnen als der SC Paderborn (in dessen Stadion ohnehin nur 15 000 Menschen passen)n. Hertha BSC verzeichnete im bisher letzten Zweitliga-Jahr ein Minus von rund 10 000 Zuschauern pro Spiel.

Kader

Ein großer Wertverlust entsteht bei Profis, deren Verträge nur für die 1. Liga gelten: Sie können ablösefrei wechseln. Bei Hannover 96 trifft das Problem laut Manager Dirk Dufner auf ein Drittel der Spieler zu. Beim SC Freiburg scheint das kein Problem zu sein, weil alle Kontrakte auch für die 2. Liga gelten sollen. Anderseits haben einige Clubs Profis mit laufenden Kontrakten im Kader, die für die 2. Liga viel zu teuer und - wie etwa der Stuttgarter Ex-Torjäger Vedad Ibisevic - schwer vermittelbar sind.

Merchandising

Wer kauft Trikots eines Absteigers? Fanartikel verlieren durch den Abstieg drastisch an Wert, denn nur hartgesottene Anhänger erwerben auch in der 2. Liga die neueste Kollektion. Alle anderen tragen - wenn überhaupt - die alten Trikots auf.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7906)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.