Abstiegskampf eng wie nie

Der Erfolgswille bei HSV-Trainer Bruno Labbadia (links), der sich hier mit Johan Djourou über den Sieg gegen Augsburg freut, ist förmlich zu spüren. Das gilt erst recht vor dem Abstiegsduell beim VfB Stuttgart. Bild: dpa

Die Abstände sind historisch klein. Zwei Spieltage vor dem Saison-Kehraus kämpfen noch sechs Teams um den Klassenverbleib. Es könnte zu einem ähnlich dramatischen Schlussspurt wie 1999 kommen.

Nervenkitzel garantiert: Der Fußball-Bundesliga steht der härteste Abstiegs-Showdown der Geschichte bevor. Noch nie seit Einführung der Drei-Punkte-Wertung in der Saison 1995/96 war der Abstand zwischen Platz 14 und 18 vor dem zweitletzten Spieltag so gering. Ganze zwei Punkte rangiert der Hamburger SV (32) vor dem Schlusslicht aus Stuttgart (30). Zusammen mit dem Tabellen-13. Hertha BSC (34) müssen noch sechs Teams um den Klassenverbleib bangen. "Das wird Abstiegskampf pur", prognostizierte VfB-Keeper Sven Ulreich.

Nicht auszuschließen, dass es in diesem Jahr ähnlich dramatisch zugeht wie im unvergessenen Saisonfinale 1999. Damals rettete sich Eintracht Frankfurt in letzter Minute nur dank der mehr erzielten Treffer. Stattdessen musste der 1. FC Nürnberg den Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

Stuttgart muss gewinnen

Wegen der Tabellenkonstellation wird die Spannung bis zum letzten Spieltag anhalten. Als einziges Team könnte es die Stuttgarter schon an diesem Wochenende erwischen. Voraussetzung dafür ist eine Niederlage gegen den HSV. Gewinnen dann mindestens zwei der drei Mitkonkurrenten Paderborn (31/beim FC Schalke), Hannover (31/in Augsburg) oder Freiburg (31/gegen Bayern München), wäre der zweite Abstieg des VfB nach 1975 perfekt.

Diese Ausgangslage zerrt an den Nerven aller Beteiligten. "Das ist Abstiegskampf! Ihr seid Affen, das seid ihr! Hört doch auf, hört doch auf!", soll Trainer Huub Stevens seine Profis im Training am Donnerstag angeschrien haben.

Das "Endspiel" der beiden Traditionsclubs könnte zum Höhepunkt des Fußball-Wochenendes werden. Die Vita der beteiligten Fußball-Lehrer Stevens und Bruno Labbadia erhöht den Reiz der Partie. Schließlich treten beide gegen ihre ehemaligen Clubs an. "Darauf hätte ich gut verzichten können. Das muss ich nicht haben", bekannte Labbadia im "Kicker". Die Schlagzeilen über das "Duell der Trainer" hält der HSV-Coach für übertrieben: "Die Situation ist schon brisant genug".

Wachsende Anspannung ist auch andernorts zu spüren. Für Aufregung sorgte der Ratschlag des Paderborners Trainers André Breitenreiter an die Bayern, in Freiburg mit Bestbesetzung anzutreten. Damit befeuerte er die Diskussion um eine mögliche Wettbewerbsverzerrung durch die Münchner, die nach dem Gewinn des 25. Meistertitels ihre Spiele in Leverkusen (0:2) und gegen Augsburg (0:1) verloren hatten. SC-Coach Christian Streich geht nicht davon aus, dass die Münchner die für sie bedeutungslosen restlichen Saisonspiele im Schongang bestreiten. Dennoch traut er seinem Team eine Überraschung zu.

Die Erinnerungen, wie sich ein Sieg anfühlt, sind in Hannover mittlerweile verblasst. Der letzte Dreier gelang am 16. Spieltag - gegen den kommenden Gegner Augsburg. Das wird beim Drittletzten als gutes Omen gewertet. Zudem bewies das Team zuletzt zwei Mal gute Moral.
Weitere Beiträge zu den Themen: Mai 2015 (7908)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.