Ägypten sagt nach Krawallen Fußballspiele ab

Nach neuen schweren Ausschreitungen bei einem Fußballspiel in Ägypten hat der nationale Fußballverband sämtliche Spiele auf unbestimmte Zeit abgesagt. Am Sonntagabend waren Ultras eines Kairoer Clubs mit Sicherheitskräften vor einem Stadion im Osten der Hauptstadt aneinandergeraten. Mindestens 20 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben. Die Krawalle erinnern an die schweren Ausschreitungen nach einem Spiel vor zwei Jahren, bei denen 74 Menschen starben - und Behörden den ägyptischen Fußball daraufhin in ein Spiel ohne Fans verwandelten.

Im Februar 2012 prügelten sich nach einem Spiel in der Stadt Port Said Fans mit Sicherheitskräften. Behörden verbannten daraufhin alle Zuschauer aus den Stadien der Erstligaspiele. Erst Ende 2014 waren die Bestimmungen zum Start der aktuellen Rückrunde wieder gelockert worden. Die Ultras gelten in Ägypten als schlagkräftiges Rückgrat der Opposition. Bei den Protesten gegen den Langzeitherrscher Husni Mubarak Anfang 2011 stellten sie sich der Polizei entgegen.

Zu den Krawallen am Sonntagabend kam es vor Beginn eines Derbys der beiden Kairoer Clubs Zamalek und ENPPI. Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums versuchten Tausende Zamalek-Fans, die keine Tickets besaßen, in das Stadion einzudringen. Taschenkontrollen hätten sich die Fans widersetzt, beim Auflösen der Unruhe sei es schließlich zu einer Massenpanik gekommen. Aus Sicht der Fans hatten hingegen Sicherheitskräfte die Krawalle provoziert. Von einem "geplanten Massaker" schrieben die "Weiße Ritter" genannten Zamalek-Ultras auf ihrer Facebook-Seite. Vom brutalen Einsatz von Gummigeschossen und Tränengas erzählt ein Fan unter Tränen in einem Video des Onlineportals "Al-Masry al-Youm". Neben 20 Toten berichten die Behörden von mehr als 30 Verletzten, die ägyptische Staatszeitung "Al-Ahram" schreibt gar von bis zu 30 Toten.
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