Amerika setzt auf "Made in Germany"

Das Football-Ei fliegt wieder durch Amerikas Arenen. Die NFL legt los und alle jagen die New England Patriots, das Team mit Deutschlands erstem Super Bowl-Champion Sebastian Vollmer.

Seinen Super Bowl-Ring hat er "an einem sicheren Ort" - und Sebastian Vollmer will auch gar nicht mehr so sehr auf seine erste Meisterschaft mit den New England Patriots in der National Football League (NFL) zurückschauen, sondern blickt lieber nach vorn. Deutschlands erster Super Bowl-Champion ist nach Meisterschafts-Partys, Hochzeit und Schulteroperation bereit für eine neue Herausforderung. "Jetzt geht's los, und wir fangen hoffentlich mit einem Sieg an. Allerdings können wir natürlich erwarten, dass jeder Gegner gegen uns seine beste Leistung bringen wird", sagte Vollmer vor dem Auftakt am Donnerstag gegen die Pittsburgh Steelers.

Erster Import

Neben dem Right Tackle aus Kaarst gibt es ab dieser Saison vier weitere Deutsche - so viele wie nie zuvor - in Amerikas beliebtester Liga. "Ich glaube nicht, dass es Zufall ist, sondern eher ein Testament für die Ausbildung bei den Jugendvereinen in Deutschland", sagte Vollmer. Er war 2009 der erste NFL-Import "Made in Germany", der sich als Feldspieler in der Liga der kräftigen Kerle etablieren konnte. Anschließend folgten Defensive Tackle Markus Kuhn (New York Giants), sowie die beiden Outside Linebacker Björn Werner (Indianapolis Colts) und Kasim Edebali (New Orleans Saints). Und nun ist mit Linebacker Mark Nzeocha (Dallas Cowboys) ein weiterer Landsmann in der NFL. Allerdings wird der 25-Jährige aus Ansbach frühestens in sechs Wochen zum Einsatz kommen, bis dahin fällt er nach seinem Kreuzbandriss vom Oktober noch aus. Kuhn glaubt gar, dass es noch mehr Deutsche schaffen könnten.

"Von der Größe und der Statur haben wir in Deutschland genug Jungs, die auf dem Level mithalten können. Das A und O ist wirklich, dass sie aufs College gehen und vielleicht vorher sogar schon ein Jahr auf die High School", sagte der 29-Jährige.

Obwohl New Englands 28:24-Super Bowl-Sieg gegen die Seattle Seahawks rund 220 Tage zurückliegt, war die NFL in der Saisonpause so präsent, wie lange nicht mehr. Das sogenannte "Deflategate" war beinahe täglich im medialen Mittelpunkt: Im Streit um nicht hart genug aufgepumpte Bälle der Patriots vor dem Halbfinale im Januar gegen Indianapolis war letztlich die NFL der Verlierer. Die Strafe von vier Spielen, die Liga-Boss Roger Goodell gegen Patriots-Quarterback Tom Brady verhängte, wurde von einem Gericht in New York aberkannt. Die NFL hat jedoch Revision eingelegt.

"Die Sache war nicht einfach für mich. Ich denke aber, wenn man alles betrachtet, haben wir alle verloren", betonte Brady. Der mit vier Super Bowl-Siegen neben Joe Montana und Terry Bradshaw erfolgreichste Spielmacher der NFL-Geschichte wird seine "Pats" zum Saisonstart auf das Spielfeld des heimischen Gillette Stadiums führen. Vor dem Kick-off enthüllt der Verein das Championship-Banner, das bereits neben der Anzeigetafel hängt.

Mehrere Favoriten

New England zählt ebenso zu den Titelanwärtern wie Vizemeister Seattle. Zudem sind oft die Namen Denver Broncos mit dem mittlerweile 39-jährigen Quarterback Peyton Manning oder Baltimore Ravens zu hören. Auch Indianapolis wird einiges zugetraut. Quarterback-Star Andrew Luck hat mit Runningback Frank Gore und Wide Receiver Andre Johnson erfahrene Profis in der Offensive bekommen.

In der Colts-Defensive muss Björn Werner in seiner dritten Spielzeit das in ihn gesteckte Vertrauen rechtfertigen. Nach einer enttäuschenden Saison kommt der Berliner nicht mehr als Outside Linebacker zum Einsatz und macht Jagd auf den Quarterback, sondern soll weiter hinten stehen und die Runningbacks bremsen. "Wenn der Gegner sein Laufspiel aufzieht, musst du da reingehen und versuchen, ihn zu stoppen", beschreibt Werner seine Aufgabe. Beim Finale war er als Experte für das deutsche Fernsehen vor Ort. Zum 50. Super Bowl am 7. Februar im kalifornischen Santa Clara will es der 25-Jährige nun sportlich schaffen.
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