Angemerkt
Mein lieber Scholli ...

Hardcore-Fans ärgern sich bei großen Turnieren gerne mal über die quälend lange, weil fußballfreie Zeit zwischen den K.-o.-Runden. Die fünftägige Pause bis zum Halbfinale am Donnerstag tut aber ausnahmsweise richtig gut. Denn so sehr der Viertelfinal-Triumph gegen von sich überzeugte Azzurri auch Balsam für die deutsche Fußball-Seele war - Kraft und Nerven hat er allemal gekostet. Nicht nur bei den Spielern, auch bei den Schlachtenbummlern. Und ganz besonders bei manchem TV-Experten.

Kaum hatte Jonas Hector den Italien-Fluch mit seinem Elfmetertor zum Teufel gejagt, grätschte Mehmet Scholl unmotiviert dazwischen. Zu defensive Ausrichtung, die Taktik zu sehr auf den Gegner abgestellt - bei dem Rundumschlag bekamen Jogi Löw und sein Trainerstab ihr Fett weg. "Scholli" redete sich in Rage. Mit lockeren Sprüchen. Wie einst, als er die Einsatzbereitschaft von Mario Gomez mit "Wundliegen" in Verbindung gebracht hatte.

Dabei sollte dem Ex-Profi bekannt sein, dass im Fußball banale Weisheiten einem ungeschriebenen Gesetz gleichkommen. "Der Ball ist rund" ist so eine Floskel. Oder auch: "Wenn eine Mannschaft gewinnt, dann hat ihr Trainer alles richtig gemacht". Deutsche Teams sind bei WM oder EM oft genug gegen Italiens gewiefte Taktiker ins Verderben gerannt. Nun hat Löw den Gegner mit dessen eigenen Waffen geschlagen. Mit Glück in der Elfmeter-Lotterie, aber am Spielverlauf gemessen zweifellos hochverdient. Ein Fakt, der mehr zählt als hypothetische Kritik. Mehmet, bitte eine Pause einlegen!

alfred.schwarzmeier@derneuetag.det.
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