Angerer schlägt Alarm

Nadine Angerer (rechts) gratuliert der zweifachen Torschützin Lena Petermann. Die DFB-Torfrau fordert von ihren Mitspielerinnen allerdings für die nun folgenden K.-o.-Spiele eine deutliche Steigerung. Bild: dpa

Die DFB-Frauen geben sich nach dem Gruppensieg und dem Einzug ins WM-Achtelfinale sehr selbstkritisch. Bundestrainerin Neid: "Jetzt geht's erst richtig los!"

Nur Sekunden nach dem Schlusspfiff steckten DFB-Spielführerin Nadine Angerer und Stürmerin Celia Sasic die Köpfe zusammen und arbeiteten noch auf dem Kunstrasen konspirativ einen Plan zur "WM-Krisenbewältigung" aus. "Das Spiel kann man so nicht stehen lassen. Nun müssen wir älteren Spielerinnen uns etwas einfallen lassen", erläuterte die 36 Jahre alte Torhüterin zum leichten Erstaunen der Zuhörer trotz des 4:0 gegen Thailand.

Angerer redete sich sogar fast in Rage: "Man soll es nicht überbewerten. Aber es muss klar sein, dass man so wie heute nicht auftreten kann. Darüber muss man sprechen", mahnte sie und ergänzte mit Blick auf das erste K.-o.-Spiel am Samstag in Ottawa: "Nun kommen die starken Gegner, da muss die Einstellung stimmen. Wenn wir noch mal so spielen, scheiden wir aus."

Auch Melanie Leupolz, die in der 24. Minute die 1:0-Führung erzielt hatte, wirkte irgendwie bedrückt, als sie sich mit der Fifa-Trophäe für die beste Spielerin auf der Pressekonferenz präsentierte: "Wir wissen, dass wir kein gutes Spiel gemacht haben", bemängelte die Mittelfeldspielerin von Bayern München.

Immerhin war es mit der Hereinnahme von Lena Petermann und Anja Mittag in der zweiten Hälfte gelungen, den thailändischen Zehner-Abwehrriegel dreimal zu knacken. So war es zumindest für die 21 Jahre alte Petermann ein schöner Tag. Die für den SC Freiburg in der Bundesliga stürmende Lehramtsstudentin freute sich zurecht über ihre ersten Tore im vierten A-Länderspiel, die sie als "WM-Joker" per Kopf im Doppelpack (56./58.) erzielte.

Auch die Bundestrainerin, die eine auf sieben Positionen geänderte und sehr junge Startelf aufgeboten hatte, sparte nicht mit Kritik. Gleichwohl war Silvia Neid in ihrer Analyse maßvoller. Unter dem Strich sei sie zufrieden mit der Vorrunde. "Wir haben sieben Punkte, sind Gruppen-Erster und im Achtelfinale", stellte Neid fest. Sie bemängelte aber auch das langsame Spiel nach vorn und die fehlende Kaltschnäuzigkeit gegen den Weltranglisten-29.

Zunächst aber flog der DFB-Tross am Dienstagmorgen zurück nach Ottawa. Wer Samstag (22.00 Uhr MESZ/ARD und Eurosport) im ersten K.-o.-Spiel der Gegner ist, entscheidet sich bis Mittwoch. Infrage kommt nur ein Vorrunden-Dritter aus den Gruppen A (Niederlande), C oder D mit den USA, Schweden, Nigeria und Australien. Für Neid steht auf jeden Fall fest: "Jetzt geht's erst richtig los!"
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