Angst beim Titelverteidiger

Cristiano Ronaldo setzt sich gegen Mario Suarez (rechts) und Koke (links) durch, dennoch kam Titelverteidiger Real Madrid im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals beim Stadtrivalen Atlético nur zu einem 0:0. Heute steigt im Bernabéu-Stadion das Rückspiel. Bild: dpa

Real Madrid hatte von Atlético jahrelang wenig zu befürchten. Aber nun blicken die Königlichen dem Lokalderby in der Champions-League mit bangen Erwartungen entgegen. Atlético ist für den Titelverteidiger zu einem Angstgegner geworden.

Not macht erfinderisch: Von diesem Sprichwort muss sich Carlo Ancelotti, Trainer von Real Madrid, im Champions-League-Spiel seines Teams gegen den Lokalrivalen Atlético leiten lassen. Eine Serie von Ausfällen zwingt den Italiener dazu, für die Neuauflage des Finales der Vorsaison eine Verlegenheitself aufzubieten. Im Viertelfinal-Rückspiel (Hinspiel 0:0) gegen den spanischen Fußballmeister muss Real heute, Mittwoch, nach dem gesperrten Marcelo auch die verletzten Luka Modric, Gareth Bale und Karim Benzema kurzfristig ersetzen.

"Die Plage von Verletzungen bringt für Real den Erfolg der gesamten Saison in Gefahr", meinte die Zeitung "El Mundo". Unter den Anhängern des Titelverteidigers machte sich vor dem Derby Angst breit. Dies ging so weit, dass die Real-Spieler versuchten, die Fans mit einem Aufruf zu beruhigen: "Keine Sorge! Wir haben Euch an unserer Seite."

Dabei war Atlético für die Königlichen lange Zeit so etwas wie ein Wunschgegner. Die Rot-Weißen hatten jahraus, jahrein im Bernabéu-Stadion die Punkte abgeliefert. Dies hat sich jedoch geändert. Der Club aus dem ärmeren Süden der spanischen Hauptstadt ist für den zehnmaligen Europacupsieger zu einem Angstgegner geworden: Real gewann in dieser Saison keines der sieben Derbys (nur drei Remis) gegen den Ortsrivalen. Atlético sicherte sich gegen Real nicht nur den spanischen Supercup, sondern warf den großen Nachbarn auch aus dem Pokal.

Ancelotti flüchtete sich in Zweckoptimismus: "Bei Real Madrid gibt es keine Probleme, es gibt nur Lösungen. Wir haben den besten Kader der Welt." Die Zeitung "ABC" erinnerte daran, dass Real im Vorjahr den Titel mit einer ersatzgeschwächten Elf gewann. Im Finale von Lissabon mussten die Königlichen beim 4:1-Sieg nach Verlängerung gegen Atlético auf Pepe und Xabi Alonso verzichten; Cristiano Ronaldo und Benzema waren angeschlagen.

Modric-Ausfall schmerzt

Nun muss Ancelotti ein Team aufbieten, das er noch nie ausprobieren konnte. Dabei ist der Italiener kein Freund von Experimenten. Besonders schmerzlich dürfte der Ausfall von Modric sein. Der Kroate hatte sich im Mittelfeld als eine wertvolle Stütze von Weltmeister Toni Kroos erwiesen. Für ihn hat Real keinen gleichwertigen Ersatz. Möglicherweise rückt der junge Asier Illarramendi, der bei Real bisher nicht überzeugen konnte, für Modric in die Startelf. Dass Sami Khedira noch einmal eine Chance erhält, gilt als eher unwahrscheinlich. Der Vertrag des Deutschen läuft zum Saisonende aus.

Atlético brennt auf Revanche für die Niederlage im Finale des Vorjahres. Trainer Diego Simeone kann auf seine stärkste Elf zurückgreifen. Der frühere FC-Bayern-Stürmer Mario Mandzukic hat seine Fußverletzung überwunden und wird wahrscheinlich zusammen mit Antoine Griezmann auf Torejagd gehen.
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